Mali gehört zu den Ländern mit der höchsten Analphabetismusrate der Welt. Laut UNESCO konnten im Jahr 2007 fast 70% der Einwohner nicht lesen oder schreiben (79% der Frauen und 58,3% der Männer). Obwohl in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht wurden (so stieg die Anzahl an in Grundschulen eingeschriebener Kinder von 64,4% in 2002/03 auf fast 80% in 2005/06), gibt es noch immer grosse Differenzen in den Zahlen für Jungs und für Mädchen (in manchen Regionen, u.a. Bamako, bis zu 20 Prozentpunkte Unterschied). Auch das Schüler-zu-Lehrer-Verhältnis hat sich schon deutlich gebessert, lag jedoch in 2005 noch immer bei 54.4 Schüler pro Lehrer. Zum Vergleich: in Luxemburg beträgt das Verhältnis 11 Schüler pro Lehrer (in Grundschulen in 2005).
In den letzten Wochen habe ich drei Grundschulen in Dörfern rund um Bamako besucht. Meistens gibt es nicht genügend Mobiliar, so dass vier bis fünf Schüler in einer Bank sitzen, die für zwei gedacht ist. In einer Klasse sind oft 40 oder mehr Kinder. Durch Sensibilisierungskampagnen bei der Bevölkerung sind in den meisten Dörfern die wir besucht haben alle Kinder, Jungs und Mädchen, in der Grundschule eingeschrieben. Oft haben die Eltern jedoch Probleme, das Schulgeld von etwa 2000 Francs CFA (ca. 3 €) im Jahr zu bezahlen und die Mädchen werden zuhause gebraucht, um Wasser oder Holz zu holen oder auf die kleineren Geschwister aufzupassen. In weiterführenden Schulen sinkt die Einschreiberate daher beträchtlich.
In Balandougou wurde 2009 von der FFL ein Schulgebäude mit 5 Klassen gebaut und mit Schulbänken ausgestattet. Vorher mussten die Kinder jeden Tag 7 bis 10 km laufen um zur Schule zu kommen. Da es hier keine Kantinen oder Nachmittagsbetreuung gibt, mussten die meisten Kinder in der Mittagspause den ganzen Weg nachhause laufen um was zu essen und dann für den Nachmittagsunterricht wieder zurückzukehren. Besonders in der trockenen Saison, wenn die Temperatuern weit über 40°C betragen, ist dies kaum zumutbar. Obwohl es jetzt ein Schulgebäude gibt, werden wegen Lehrermangels nur die ersten drei Stufen hier unterrichtet. Nur zwei Lehrer, von denen einer auch den Rektorposten innehat, werden vom Staat resp. der Gemeinde übernommen. Die zwei Praktikanten die noch zusätzlich angestellt sind werden vom Schulgeld bezahlt.
Da es keinen Brunnen in der Nähe der Schule gibt müssen die Kinder jeden Tag einen Eimer oder eine Schüssel Wasser mitbringen, um den Wasserbedarf der Schule (Klos, Trinkwasser, Bewässerung des Gemüsegartens) zu decken. Vor der Schule wurden Bäume gepflanzt, die später einmal den Kindern Schatten spenden sollen, und die Schule hat einen kleinen Gemüsegarten angelegt. Dort lernen die Kinder gärtnern und den Wert des Geldes: das Gemüse wird auf dem Markt verkauft, und mit dem Erlös wird das Schulfest am Ende des Jahres bezahlt.
In Falayan wurde vor zwei Jahren ein neues Schulgebäude mit drei Klassen gebaut. Dort befinden sich jetzt die ersten 4 Stufen (dritte und vierte Klasse teilen sich einen Raum), während die fünfte und sechste Klasse weiterhin in der alten Schule, einem Wellblechbau in dem es im Sommer richtig heiss wird, unterrichtet werden. Eine andere NGO hat jedoch jetzt ein weiteres Gebäude errichtet, das aber erst benutzt wird wenn es offiziell eingeweiht wurde... was bisher noch nicht der Fall war.
Lehr- und Lernmaterialien gibt’s hier natürlich auch nicht wirklich im Überfluss.

Neben den üblichen Unterrichtsfächern, wie Französisch, Rechnen, Biologie und Erdkunde lernt man hier jedoch auch wie man mit seinen Eltern sprechen muss (sehr höflich) und wo man seine Notdurft verrichten soll (auf dem Klo oder ausserhalb des Dorfes).
 

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