Toubabou...

Als weisse Person in Bamako (und wahrscheinlich überall in Schwarzafrika) gibt man jegliche Anonymität auf. Mal eben schnell über die Strasse laufen um was zu holen ist nicht, überall wird man angesprochen und angestarrt. In meinem Viertel, ATTBougou, läuft das Ganze noch relativ harmlos ab, es sind vor allem die Kinder, die einem Toubabou hinterherschreien und sich kaputtlachen wenn man auf ihr Bonsoir antwortet. Das wird manchmal ein bisschen nervig, wenn sie gar nicht mehr aufhören und einem sogar hinterherlaufen, aber schlimm ist es nicht. Die Erwachsenen (meistens Männer) laden einen ständig zum Tee und einer Causerie ein, die Frauen halten sich zurück und starren nur ein bisschen. Aber wie gesagt, manchmal nervig, aber grundsätzlich verständlich und harmlos.
Heute auf dem Markt wurde es jedoch etwas unangenehm. Der Reissverschluss meiner Tasche ist kaputt, also haben Kadi und ich beschlossen heute eine neue zu besorgen. Wir sind mit dem Sotroma zum Markt gefahren, und wurden dort gleich von jemandem angesprochen, der uns zu einem Taschenstand führen wollte. Wir also dem netten jungen Mann hinterher, durch unzählige Gassen, bis wir an einem Stand angekommen sind, wo Sporttaschen verkauft wurden. Da ich aber keine Sporttasche wollte, haben wir ein bisschen rumdiskutiert, bis ein anderer junger Mann meinte, er hätte genau das Richtige für uns. Wir also wieder hinterher, die Gassen wurden immer schmaler und dunkler, mittlerweile hatten wir schon 2 Begleiter und mir war etwas mulmig zumute. Wir wurden schlussendlich in einem Klamottenladen geparkt, mit einem der beiden Typen als Aufpasser, während der andere abgehauen ist und nach 10 Minuten mit Bergen von Taschen zurückgekommen ist. Leider waren die Taschen nicht sehr schön und ausserdem ziemlich dreckig, so dass ich nach etwas Rumgedruckse gesagt hab dass das nicht so mein Ding ist und wie unter leichtem Missfallen der Jungs abgehauen sind. Kaum waren wir wieder draussen, kam schon der Nächste und führte uns zu einem Kunsthandwerkladen, wo ganz viele Baumwollsachen verkauft wurden; Auch hier gab's Taschen, aber wieder war nichts dabei und ich hatte auch schon ein bisschen die Lust am Einkaufen verloren. da Kadi nach Ohrringen gesucht hat, sind wir noch ein bisschen draussen rumgelaufen und haben uns Goldschmuck angesehen. Da hatte es sich aber wahrscheinlich schon rumgesprochen dass da eine Toubabou bereit ist Geld für eine Tasche auszugeben, denn plötzlich hatten wir unseren ganz persönlichen Stalker. So ein Typ ist ständig mit irgendwelchen Taschen zu uns gelaufen, und jedesmal wenn ich Nein gesagt habe, ist er wieder gegangen, nur um 5 Minuten später mit neuen Taschen aufzutauchen. Ich weiss nicht mal wie er uns immer wieder gefunden hat, da wir währenddessen weiter über den (nicht sehr übersichtlichen) Markt gelaufen sind. Da mein Nein anscheinend nicht so viel Gewicht bei ihm hatte, musste Kadi ihm irgendwann sagen dass ich wirklich keine Tasche von ihm will. Darauf ging dann das Geschrei los. Er hat sie angeschrien, sie hat geantwortet, irgendwann haben sich alle Umstehenden mit eingemischt, und ich stand in der Mitte, hab natürlich kein Wort verstanden und wollte nur noch weg.
Irgendwann hat er uns dann in Ruhe gelassen und wir konnten weiter über den Markt laufen, und schlussendlich sogar eine Tasche kaufen. Zwischendurch wurde ich immer wieder angesprochen, ich solle mir doch die schönen Ketten/Stoffe/Ohrringe etc ansehen, aber meistens ist es mit einem Nein auch gut. Ein paar von den Jüngeren versuchen es noch mit Komplimenten, aber wenn man sie dann auslacht und trotzdem Nein sagt müssen sie über sich selbst lachen und es ist gut. Ich kann's ja verstehen, Weisse haben tatsächlich mehr Geld und geben es ja auch gerne für Mitbringsel aus, von daher ist das ok. Nur die Sache mit dem Taschenmann, die ging ein bisschen zu weit.

Es hat jedoch auch seine Vorteile weiss zu sein. Die Leute erkennen sofort dass man fremd ist und helfen ungefragt. So wurde ich schon öfter ein Stück mitgenommen, auf den richtigen Fahrpreis aufmerksam gemacht oder bis zur Haltestelle gelotst, ohne dass ich gross fragen musste. Überall wo wir hinkommen, wird erst mal ein Stuhl im Schatten für die Toubabou geräumt. Dann sitze ich am Strassenrand und diene zur Unterhaltung des Viertels. Aber da das Viertel ja auch zu meiner Unterhaltung dient, ist das ganz ok :).

Um mich noch ein bisschen mehr anzupassen haben wir gestern auch einen Flechtversuch gestartet (und da wir sonst nichts zu tun hatten und sich hier ständig alle die Haare flechten). Leider sind meine glatten europäischen Haare nicht dafür gemacht, die Zöpfe haben die Nacht nicht überlebt. Aber es war ja auch erst der erste Versuch, so schnell geben wir nicht auf...

Anne
 

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