Djoliba AC - Al Ahly Benghazi 1 : 0
Nach unzähligen deutschen und luxemburgischen Liga-, Pokal-, Länder- und Freundschaftsspielen, und sogar einem UEFA-Cup-Spiel, gestern endlich der heilige Gral: ein Champions League-Spiel! Gut, es handelt sich um die afrikanische Champions League (Ligue des Champions), und das Turnier ist noch nicht sehr weit fortgeschritten, aber trotzdem. Gespielt hat Djoliba AC (das lokale Team, amtierender Meister und Tabellenerster) in rot gegen Al Ahly Benghazi, ein lybisches Team.

Nachdem ich mehrmals eher unsubtil angedeutet habe, dass ich wirklich gerne zum Fussball gehen würde, hat Fatim Freunde von ihrem Neffen angerufen und die Jungs quasi gezwungen mich mitzunehmen. Die Karten (die übrigens 2€30 gekostet haben, ein Traum) haben wir unterwegs nem Strassenhändler abgekauft und geparkt wurde direkt vorm Stadion. Trikots vom Heimteam waren eher selten zu sehen, aber fast alle haben irgendwas rotes oder grünes getragen (gern auch ein Trikot von Bayern München oder Barca).

Das Stadion ist fast komplett in Männerhand, Frauen sind eigentlich nur da um Getränke und Snacks zu verkaufen. Mit Getränken mein ich natürlich Wasser und Saft, Alkohol gibt's nicht. Auch einen Gästeblock hab ich nicht entdeckt, es gab eh nur zwei Tribünen entlang der Geraden, und nur der VIP-Bereich war abgetrennt. Obwohl vorm Stadion Soldaten mit Gewehren positionniert waren und drin die Polizei gab es keinerlei Eingangskontrolle, sogar die Karten wurde kaum kontrolliert. Die Leute kamen auch noch bis zur Halbzeit in's Stadion geschlendert. Sprechgesänge gab's auch nicht, dafür mehrere Gruppen von Trommlern und Tänzern, die einen Heidenlärm verursacht haben. Ziemlich viele Leute sassen auf dem Hügel neben dem Stadion und haben das Spiel von dort verfolgt. Stadionsprecher und Halbzeitentertainment gab's natürlich auch nicht, dafür haben sich die Balljungs in der Halbzeit ein kleines Spiel geliefert.

Einiges ist dann doch wie bei uns: das Spiel (vor allem die verpatzten Chancen haben mich seeehr an zuhause erinnert), die Emotionen, der Trainer der 90 Minuten rumgebrüllt hat, die Halbzeitdiskussionen über den senegalesischen Schiri (Lybier haben Geld, Senegalesen lieben Geld, da liegt es doch auf der Hand dass der bestochen wurde), das ewige Kritisieren der eigenen Mannschaft, etc. Netter Touch des malischen Trainers: er war sehr schick angezogen, schwarze Schuhe, schwarze Anzughose, rotes Hemd und... rote Socken. Das nenn ich Identifizierung mit dem Verein :).
Djoliba hat übrigens 1:0 gewonnen, nicht dass das am Ende irgendwen gefreut hätte. Wenn die Mannschaft schlecht spielt ist es wohl egal dass der Gegner noch schlechter gespielt hat, alle waren total sauer und niemand hat nach dem Spiel applaudiert. Ich war doch etwas verwundert, immerhin haben die Jungs gerade ein Champions League Spiel gewonnen... Ich freu mich auf jeden Fall schon auf den nächsten Stadionbesuch !
Anne