
Am Montag war Internationaler Frauentag. Im Gegensatz zu zuhause, wo dieser Tag höchstens einen ironischen Kommentar des Radiomoderators hervorruft, wird in Mali gross gefeiert. Alle Frauen haben frei, die Männer hingegen müssen normal zur Arbeit. (Mit "alle Frauen" meine ich natürlich nur die wenigen, die im öffentlichen oder privaten Sektor arbeiten.) Um ihre Arbeit angemessen zun würdigen, werden die Frauenorganisationen Bamakos jedes Jahr eingeladen an einer Parade teilzunehmen, und dieses Jahr war auch die COFESFA dabei.
Das Ganze geht ungefähr zwei Wochen vorher los, wenn der Stoff ausgegeben wird. In Mali wird zu jedem Anlass Stoff hergestellt mit dem Motto oder dem Logo der Veranstaltung (wie bei uns T-Shirts). Da ich in einer rein weiblichen Umgebung arbeite, ist die Ausgabe des Stoffes natürlich immer ein Anlass zu Diskussionen über Qualität und Farbe des Stoffes sowie mögliche Schnittmuster und Verzierungen für das Gewand. Gerne werden auch die fertigen Gewänder nochmal im Büro hergezeigt (besonders wenn es meine sind) damit jede Frau ihre Meinung dazu abgeben kann.

Nach über drei Stunden Warten, kurz nach 11, ging die Parade dann endlich los. Alle haben sich bemüht im Gleichschritt an der Tribüne der VIPs vorbeizulaufen (was eher weniger von Erfolg gekrönt war), und nach 10 Minuten war unser Auftritt auch wieder vorbei. Man hat mir erzählt dass ATT, der Präsident der Republik, aufgestanden ist und gewunken hat als die COFESFA angekündigt wurde. Leider habe ich in dem Moment natürlich in die falsche Richtung gekuckt...

Übrigens ist hier auch nicht jeder von der Notwendigkeit dieses Tages überzeugt. Am Sonntag Abend war ich im malischen Äquivalent einer Stammkneipe - im Grain, einer Ansammlung von Stühlen vor einer beliebigen Haustür, wo die Leute ihren Abend verbringen. Zu jedem Grain gehören ungefähr 5 bis 10 Leute und - sehr wichtig - ein Teeservice. Auf jeden Fall waren in diesem bestimmten Grain nur Männer, und da wurde sich natürlich erstmal so richtig aufgeregt. Wieso die Frauen frei hätten, denen ging's doch gut, die hätten doch nichts worüber sie sich beschweren könnten etc etc... Manche Dinge sind halt überall auf der Welt gleich :)
Anne

