KINDER...KINDER...

Es gibt unglaublich viele Kinder in Mali. Obwohl viel über Familienplanung gesprochen wird, ist es nicht so einfach das auch in die Tat umzusetzen. Erstens geht es gegen die Tradition (Religion?) und zweitens kostet Verhütung Geld. Das führt dazu, dass Frauen, vor allem in ländlichen Gegenden, früh schwanger werden und noch bis in ihre Vierziger hinein Kinder bekommen. Viele Frauen erleben also 10 bis 15 Schwangerschaften in ihrem Leben, was zu relativ grossen Familien führt (vor allem wenn man bedenkt dass ein Mann bis zu 4 Frauen haben kann... also auch gerne mal bis zu 40 Kinder).
Bei den Bambara gehört es zu den Aufgaben der Frau, sich um die Kinder zu kümmern, und zwar komplett. Dazu gehört also auch, Geld aufzutreiben für Klamotten, Schulgeld, Arztbesuche, Kreide, Essen, etc. Da die Frauen jedoch auch für alle anderen Haushaltsdinge aufkommen müssen, ist es nicht immer einfach, Geld für die Kinder abzuzweigen. Das führt dazu, dass viele Kinder nicht oder nur einige Jahre zur Schule gehen, und dass die Kleinen oft kaum was anzuziehen haben. Spielzeug gibt es daher natürlich auch nicht wirklich. Ich hab zweimal auf den Dörfern ein Plüschtier oder eine Puppe gesehen. Ansonsten spielen die Jungs mit alten Reifen, die sie mit einem Stock vor sich her treiben, und die Mädchen kümmern sich meistens um ihre jüngeren Geschwister. Sobald die Frauen etwas mehr Geld zur Verfügung haben, wird es sofort in die Kinder investiert. Leider reicht das meistens nicht, um Mangelernährung und Krankheiten zu verhindern, geschweige denn den Kinder eine Bildung oder eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
Jedesmal wenn wir auf die Dörfer kommen, ist das natürlich ein Riesenereignis für die Kinder. Sie kommen sofort angelaufen wenn sie das Auto hören, bremsen dann aber abrupt ab wenn sie mich sehen. Erstmal behalten alle einen grossen Sicherheitsabstand. Manche fangen an zu weinen, vor allem wenn sie meine Augen sehen. Irgendwann beruhigen sie sich dann, und die ganz Mutigen kommen ein paar Schritte näher und sagen „Bonsoir!“ oder reichen mir sogar die Hand.
In Kamalé Kakélé sind mir irgendwann über 30 Kinder auf Schritt und Tritt gefolgt, das war etwas anstrengend. In Ouenzzindougou haben alle Kinder angefangen zu heulen als ich den Kindergarten betreten habe. (Später habe ich herausgefunden, dass die Lehrerin ihnen erzählt hat wir seien vom Gesundheitsamt und gekommen um ihnen Spritzen zu geben.) Im Allgemeinen pendelt sich das Verhalten der Kinder jedoch zwischen diesen beiden Extremen ein. Sie bleiben in einem gewissen Abstand stehen und starren mich an, und ich halte ebenso einen gewissen Abstand ein und mache Photos. Viele viele Photos, wie man sieht...
 

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