MIKROKREDITE...
Seit der Vergabe des Friedensnobelpreises 2006 an Muhammad Yunus und die Grameen Bank sind Mikrokredite ein allgemein bekanntes Konzept. Es handelt sich dabei um sehr niedrige Kredite, die vor allem in Entwicklungsländern an Kleingewerbebesitzer vergeben werden. Diese Leute können sich meistens keinen Bankkredit „leisten“ (zu hohe Zinsen) und würden von einer normalen Bank eh nicht unterstützt werden, da sie keinerlei Sicherheiten besitzen. Um ein Gewerbe aufzubauen und sich damit finanziell über Wasser zu halten, muss man jedoch erst eine gewisse Summe investieren – Geld, das die meisten Leute in Entwicklungsländern nicht besitzen.

Im Rahmen des Projekts mit der FFL vergibt die COFESFA auch Mikrokredite an Frauengruppen aus den betreuten Dörfern. Es handelt sich dabei um Beträge zwischen 400.000 und 1.500.000 FCFA (also ca. 600 bis 2300 €), die die Gruppen unter sich aufteilen. Die Frauen zahlen meistens einen Teil Zinsen an die Gruppe, die neu investiert werden können, und einen Teil an die COFESFA, um das System am Laufen zu halten. Genutzt wird das Geld vor allem für Kleingewerbe. Das geht vom Verkauf von Lebenmittel (Fische oder selbst angebautes Gemüse oder Erdnüsse) bis zu Holz, Kohle, Stoff, Seife etc. Pro Gruppe werden drei Frauen in Buchhaltung ausgebildet, um das Geld selbstständig und korrekt zu verwalten. In den letzten Tagen haben wir die verschiedenen Gruppen besucht, die Bücher kontrolliert und uns mit den Frauen zusammengesetzt um über ihre Erfolge und Probleme zu reden.

5 Tage, 22 Dörfer, 39 Gruppen... ich glaube ich könnte ein Buch schreiben über alles was ich in diesen Tagen gesehen und gelernt habe. Da ich nicht weiss wo ich anfangen soll, mache ich einfach mal eine Liste. Here goes:
• Kein Tag ist wie der andere. Manchmal haben wir nur die Buchhalterin getroffen, manchmal das ganze Dorf. Manchmal wurden wir tanzend empfangen (und mussten mittanzen)und manchmal mussten wir eine halbe Stunde warten bis die Frau mit den Büchern kam. Manchmal wurde uns angeboten mitzuessen, meistens haben wir unter dem Schatten eines Baumes entlang der Strasse gepicknickt (was nicht so einfach ist, die meisten Lebensmittel sind nach ein paar Stunden im Auto bei über 40°C nicht mehr so lecker).

• Ein paar Kilometer Strasse können einen Riesenunterschied machen. Die COFESFA ist in 2 verschiedenen Regionen um Bamako aktiv, die von zwei verschiedenen Ethnien bewohnt werden. In der Gegend um Safo, die von den Bambara bewohnt wird, gibt es nichts. Nicht einmal Strassen die dort hinführen, man fährt über ausgetretene Pisten, die meistens von Viehtreibern benutzt werden. Die Leute sind unglaublich arm. Eine Frau die wir getroffen haben hat gerade ein Kind bekommen, und wurde sofort, ohne Medikamente oder Nachuntersuchung aus dem Krankenhaus entlassen. Das Baby selbst war sehr krank, hatte eitrige Pusteln überall auf dem Körper. Fatim hat der Frau etwas Geld gegeben um sich das Benzin leisten zu können um zum Arzt zu fahren. Wahrscheinlich hat sie das jedoch nicht getan, da sie sich weder den Arzt, noch die Medikamente leisten kann... In der anderen Region, dem Mandé gibt es richtige Strassen, was dazu führt, dass die Entwicklungshilfe vom Staat und von NGO’s dort besser ankommt als in Safo. Die Frauen sind besser angezogen, die Kinder sehen nicht ganz so verwahrlost aus. Es gibt jedoch auch hier grosse Unterschiede zwischen dem Mandé Proche (nahe an Bamako und viel urbanisierter) und dem Mandé Profond (etwas weiter weg).

• Das Geld reicht nie. Die Gruppen machen anfangs oft den Fehler, dass sie allen Mitgliedern Geld leihen. Das führt erstens dazu, dass jede Frau nur wenig bekommt, und zweitens, dass diejenigen die nicht so gut mit ihrem Geld umgehen können und nicht rechtzeitig zurückzahlen die ganze Gruppe aufhalten. Entweder die "Fleissigen" strecken das Geld vor, so dass der Kredit zurückgezahlt werden kann, oder die ganze Gruppe kommt in Verzug und erhält keinen neuen Kredit. Man muss also die Gruppen dazu animieren, nur wenigen Frauen Geld zu leihen, und nur solchen die bewiesen haben dass sie damit umgehen können.
• Die Kinder gehen vor. Sobald die Frauen anhand der Aktivitäten, die sie mit Hilfe des Mikrokredits durchführen können etwas mehr Geld zur Verfügung haben, wird das sofort in die Kinder investiert. Einschreibegebühren, Schulgeld, Schuluniform, Kreide, Schiefertafel, Bücher, ... Meistens reicht das Geld trotzdem nicht aus um den Kindern eine vernünftige Ausbildung zu ermöglichen.
• Ein bisschen Flexibilität muss sein. Theoretisch müssen die Frauen jeden Monat eine bestimmte Summe zurückzahlen. Oft haben sie jedoch mal mehr, mal weniger Geld als die vereinbarte Summe zur Verfügung. Deswegen gibt es keine Strafe wenn die monatlichen Zahlungen zwischendurch etwas unregelmässig werden, solange am Fälligkeitsdatun das gesamte Geld plus Zinsen angekommen ist.
Ok, ich könnte noch ewig weitermachen, aber als erster Einblick reicht das glaub ich erstmal...
Anne