
Am 13. Januar bin ich durch Luxemburg-Stadt gelaufen und hatte die absolut mieseste Laune die man sich vorstellen kann. Aus irgend einem Grund hatte die Stadtverwaltung es nicht für nötig befunden die Bürgersteige freizuschaufeln, so dass ich von meiner Oma aus mehr in’s Zentrum gerutscht als gegangen bin. Zu allem Überfluss musste ich mein polizeiliches Führungszeugnis in der Cité Judiciaire abholen... das Kopfsteinpflaster auf dem Weg dort hin ist ja ganz malerisch, aber mit einer Schicht Schnee und Eis bedeckt wird es richtig gefährlich. Als ob das alles nicht schlimm genug wäre, haben genau an dem Tag meine Stiefel beschlossen, NICHT mehr wasserdicht zu sein... mir war kalt, ich hätte mich mehrmals fast hingelegt, in meinen Schuhen stand das Wasser, und mein einziger Gedanke war dass ich GOTTSEIDANK zwei Tage später nach Afrika fliegen würde.
Zwei Tage und 40 Grad Temperaturunterschied später war ich in der Sonne, zwar mit einer heftiger Erkältung im Gepäck, aber Hauptsache warm. Jeden Tag strahlte die Sonne von einem unglaublich blauen Himmel, es waren um die 35 Grad, und Sonntags bin ich öfter zum Schwimmen und Sonnen in ein Hotel gefahren. Wo ich übrigens meistens alleine war, den Maliern war noch zu kalt zum Schwimmen (unsere Haushaltshilfe lief morgens immer in einem leichten Pulli durch den Hof, weil ihr zu kalt war). Ich brauchte etwas Zeit um mich an die Temperaturen zu gewöhnen, aber wenn man anstrengende körperliche Aktivitäten unterliess, war es ganz in Ordnung.

Im April änderte sich das Wetter wieder. Es war weiterhin unglaublich heiss, aber zusätzlich wurde es auch schwül. Der Himmel war nicht mehr blau, sondern grau und hing tief über der Stadt. Der Regen liess jedoch noch fast einen Monat auf sich warten. Mittlerweile lief bei mir zuhause die Klimaanlage auch tagsüber und bei allen anderen waren die Ventilatoren im Dauereinsatz. Viele Malier (die meistens keine Klimaanlage besitzen wegen der hohen Stromkosten) begannen draussen zu übernachten.
Und dann endlich endlich kam der Regen. Und war erst mal enttäuschend. 10 Minuten lang tropfte es vom Himmel, dafür gab’s ne Stunde vorher und nachher unglaubliche Windböen und Trockengewitter. Seit ungefähr drei Wochen übt der Regen jetzt schon, fast jeden zweiten Tag gibt es kleinere Schauer, aber die Regenzeit hat noch nicht angefangen. Man nennt das den Mango-Regen, da die Mangos jetzt so richtig schön reif und saftig sind. Der Bauer der jedoch jetzt schon anfängt auszusäen wird nicht viel von seiner Ernte haben, dafür ist es noch zu früh (hab ich mir sagen lassen, ich versteh nichts davon). Momentan wettermässig angesagt sind auch Sandstürme. An manchen Tagen fegt ein unglaublicher Wind durch die Stadt, und da es so trocken ist wirbelt er den ganzen Staub mit sich, so dass man kaum noch atmen kann. Das wird dann auch zuhause leicht anstrengend, da die meisten malischen Fenster keine Glasscheiben besitzen sondern nur durch Fensterläden und Vorhänge das Wetter draussen halten.

Gestern nachmittag hat es das erste Mal tagsüber länger geregnet. Wie immer hab ich mich erstmal kurz unter den Regen gestellt (wer hätte gedacht dass man sich so über Regen freuen kann), und währenddessen ist mir aufgefallen, dass ich natürlich im Januar nur an die Sonne gedacht habe: ich habe unglaublich viele (kaum benutzte) Sonnencremes und –brillen dabei, aber nicht ein einziges Kleidungsstück das man als Regenschutz einsetzen könnte. Mal abgesehen von einem Kapuzenpulli, aber der ist innen gefüttert und dafür ist es dann doch noch zu heiss. Es läuft also wahrscheinlich darauf hinaus, dass ich am Wochenende bei 40 Grad und strahlend blauem Himmel durch die halbe Stadt laufe um einen Regenschirm zu finden... oder ich warte bis es richtig anfängt zu schütten und die Strassenhändler ihr Sortiment ändern.
Obwohl ich jetzt schon ziemlich lange Zeit hatte mich an die Hitze zu gewöhnen und es in den letzten Tagen nicht mehr ganz so heiss war, freue ich mich wenn ich nachhause komme und wieder vernünftige Temperaturen erlebe. Für ein paar Sommertage oder zwei Urlaubswochen ist es ja ganz angenehm, aber jeden Tag verschwitzt rumzulaufen (ohne Eis und ohne Schwimmbad) ist sehr anstrengend. Da es – im Gegensatz zu bei uns – auch nachts nie wirklich abkühlt und es so etwas wie „frische Luft“ nicht gibt (wenn ein Wind weht ist er schwer und heiss), geht das Wetter irgendwann an die Substanz. Das Schlimmste müssten wir jedoch mittlerweile überstanden haben, so dass ich die letzten Wochen hoffentlich noch mal so richtig geniessen kann.
Anne


