SOUNDTRACK...

Manchmal, wenn man sich durch seine Musiksammlung hört, wird man durch verschiedene Lieder automatisch in eine bestimmte Zeit zurückversetzt. Ich bin mir sicher dass es mir das in einigen Monaten mit bestimmten Liedern passiert die ich hier in Dauerschleife höre. Die meisten (also eigentlich alle) dieser Lieder sind das, was ich auch zuhause höre, deutsche und englischsprachige Bands. Dabei komme ich durchaus viel mit afrikanischer Musik in Berührung.
Zum einen natürlich durch das Fernsehen. Der malische Sender ORTM sendet samstags immer die malischen Charts, wobei dort auch ausschliesslich malische Künstler vertreten sind. Ich kuck das jedoch immer etwas halbherzig, erstens weil es nicht so ganz mein Geschmack ist, zweitens weil ich kein Wort verstehe (alle Lieder und ein Grossteil der Sendung sind auf Bambara), und drittens weil ich bei den Videos immer so lachen muss... man hat hier halt nicht das gleiche Budget zur Verfügung wie bei uns. Einmal als wir im Niger schwimmen waren, kamen ein paar Typen zu uns und haben gefragt, ob wir nicht in ihrem Videoclip mitmachen wollen. Wir haben dankend abgelegt und zugesehen wie sie mit Musik aus dem Handy und kleiner Videokamera halb im Wasser stehend ihren Clip gedreht haben...
Zum anderen gibt es hier jede Menge Feste, an denen die Dorfleute zusammenlegen und ein paar Musiker bezahlen. Das kann vom einfachen Djembé-Spieler bis zu einem ganzen Orchester gehen, je nach Anlass. Unabkömmlich ist dabei immer der Griot, also ein Mann der in einer Art Sprechgesang Geschichten erzählt oder Lobhymnen auf die Anwesenden singt. Ich zitiere Wikipedia: Die Griots sind die Bewahrer der Geschichte, oralen Literatur und Musik ihrer Völker. Sie singen Balladen, erzählen Geschichten und unterhalten. Dazu trommeln und tanzen sie. Bei vielen traditionellen Zeremonien ist die Anwesenheit von Griots erforderlich. Der nette junge Mann auf dem Foto unten hielt es auf einem Fest anlässlich des Frauentages mal für angebracht, eine Lobeshymne auf mich zu singen. Das ist etwas anstrengend, da er sehr sehr lange gebraucht hat (und nicht mal aufgehört hat als wir ihm einen Haufen Geld zugesteckt haben) und alle Anwesenden an mir vorbeigetanzt sind und ständig meine Arme in die Höhe gerissen haben... Heute hat mich in der Stadt auch ein Griot angesungen und solange weitergemacht bis ich ihm ein paar Francs gegeben hab. Das ist in Mali übrigens ein Muss, einem Griot kein Geld zu geben wäre ein grober sozialer Schnitzer.
Öfter muss man auch selbst tanzen, vor allem wenn das Dorf zu deinen Ehren ein Fest schmeisst. Solange man nur in einem Kreis mit allen anderen Frauen rumgehen muss ist es ja noch ok, aber wenn man dann alleine IM Kreis tanzen muss, wird es manchmal etwas anstrengend. Ausserdem hat mir mal die 10jährige Tochter einer Arbeitskollegin mitgeteilt ich könnte ja nun wirklich nicht tanzen... Das hat mir die malische Musik nicht gerade schmackhafter gemacht.
Ein Lied meines Afrika-Soundtracks stammt jedoch von einem Malier, Salif Keïta (Foto: Wikipedia). Salif Keïta ist ein malischer Sänger, der jedoch im Ausland lebt und auch bei uns relativ bekannt ist. Er ist in einem "unserer" Dörfer geboren, in Badougou Djoliba, doch seine Jugend dort war alles andere als einfach. Keïta ist nämlich Albino, und in der Tradition der Malinké, der Ethnie aus der er stammt, sind Albinos ein Zeichen für kommendes Unglück. Er wurde von seiner Familie verstossen und ging nach Bamako, wo er seine musikalische Karriere begann.
Das Lied, La Différence (Der Unterschied) ist grösstenteils auf französisch und predigt Toleranz mit Andersartigen. Ich hab es zum ersten Mal gehört, als ich auf einem Road Trip durch Mali war, und seitdem taucht es immer wieder auf und lässt mich nicht mehr los. Damit ihr auch was davon habt: hier findet man das Video www.youtube.com/watch
Jetzt hoffe ich dass einer der tausend Strassenverkäufer die, wahrscheinlich illegale, Cds verkaufen das passende Album hat, damit ich auch zuhause noch mitsingen kann: La vie sera belle, chacun à l'honneur aura son bonheur.
 

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