Abschied Teil Zwei...
Montag Abend fand bei Fatim zuhause ein Abschiedsessen für mich statt, und fast alle sind gekommen: die Jungs vom Grin, die mit mir weggegangen sind und mich zum Fussball mitgenommen haben, die Mädels aus der Nachbarschaft, die abends ständig zum Serien-Kucken vorbeigekommen sind, die Nachbarskinder, die sich eine letzte Kitzeleinheit abholen wollten, der ältere haitische Herr, der mir ständig Bücher geliehen hat, mein Mitbewohner und seine Kumpels, die abends bei uns auf ein Schwätzchen vorbei gekommen sind und meine Freundinnen, die mir geholfen haben in Bamako heimisch zu werden.

Die Kinder haben ein bisschen getanzt, wir haben gegessen und Fussball gekuckt und Erinnerungsfotos geschossen und Emailadressen ausgetauscht (mit den 4 leuten die Emailadressen haben). Ich wusste dass ich die „wichtigsten“ Leute auch am Dienstag noch sehen würde, so dass der Abschied zwar traurig, aber nicht herzzerbrechend war. Maya, Kady und Mariama sind noch mit zu mir gekommen um uns in Ruhe zu unterhalten, und dann hab ich mich ein letztes Mal unter mein Moskitonetz verkrochen und habe versucht zu schlafen.
Am Dienstag sind wir noch einmal zur COFESFA gefahren, um mit allen Mitarbeitern zusammen ein letztes mal zu Mittag zu essen. Es gab Riz au Gras (ein letztes Mal wollte ich dann doch noch Reis „auf Afrikanisch“ essen), und nach dem Mittagessen kam die Sekretärin mit einer sehr grossen Schachtel an den Tisch... in der ein sehr süsser und sehr pinker Kuchen lag.
Ich hatte am Dienstag nämlich auch Geburtstag, und die COFESFAs haben es sich nicht nehmen lassen, das gebührend zu feiern. Es wurde gesungen, auf Französisch, Englisch und Bambara, es gab viele viele liebe Wünsche, und Geschenke gab’s auch. Beim letzten obligatorischen Gruppenphoto mit COFESFAs, Sekretärinnen, Animateuren, Fahrern und Hausmeisterfamilie wurde noch einmal viel gerempelt, geblödelt und gelacht, aber schlussendlich kam dann doch der Moment des Abschieds. Da liefen dann auch das erste mal die Tränen, und die Fahrt nachhause verlief still.

Dort gab es leider gleich den nächsten Abschied, denn Maya, die am Montag bei uns übernachtet und den ganzen Tag mit uns verbracht hatte, musste nachhause. Daraufhin hab ich mich in meiner Wohnung verkrochen, meine Sachen zuende gepackt und mir gewünscht dass die letzten Abschiede so schnell wie möglich vorbeigehen.
Das Schwerste stand mir nämlich noch bevor. Um halb 9 hat der Fahrer Fatim und mich abgeholt, um uns zum Flughafen zu bringen, und ich musste mich von meinen besten Freunde, Kady, Mariama und Ousmane verabschieden. Diesmal war ich allerdings nicht die einzige die ihre Tränen nicht mehr zurückhalten konnte.

Der Weg zum Flughafen war viel zu kurz, da ich versucht habe, nochmal soviel wie möglich von der Stadt und den Leuten in mich aufzunehmen. Am Flughafen selbst war es dann wie es immer ist: erst steht man viel zu lange rum und wartet, und dann geht alles plötzlich ganz schnell und man hat kaum noch Zeit sich ein letztes Mal zu umarmen. Gottseidank kommt Fatim in ein paar Monaten nach Luxemburg, das hat uns beide ein wenig getröstet.
Richtige Vorfreude auf zuhause kam auch erst in Paris auf, als ich endlich wieder frische, kalte Luft einatmen konnte und einen Buchladen gefunden habe, der mehr als 10 Bücher zur Auswahl hatte. Mein erster Einkauf auf europäischem Boden war daher auch ein Buch (und das sogar noch vor meinem ersten Kaffee). Die vier Stunden Aufenthalt in Paris hab ich dann genutzt um mich wieder an saubere Gehwege, allgemeine Hektik und richtigen Kaffee zu gewöhnen.

Zuhause angekommen gab es viel Freude am Flughafen, pinke Luftballons am Briefkasten, leckeres Essen, ein paar Stunden Schlaf, eine warme Dusche und endlich wieder richtig saubere Klamotten, dank Waschmaschine. Bisher hab ich mich vor allem über die frische Luft gefreut, die grüne Landschaft, warme Duschen und natürlich alle, die ich bisher schon wiedergesehen habe. Ein paar Telefonate mit Mali hab ich allerdings auch schon geführt, und ein bisschen verloren fühle ich mich noch, so ganz bin ich noch nicht in Europa angekommen. Das braucht wohl noch seine Zeit. Welchen Einfluss das Ganze auf mein Leben hat, kann ich heute noch nicht beurteilen, dafür ist es noch zu früh. Erstmal versuche ich jetzt wieder mich hier einzuleben und meine Familie und Freunde wiederzusehen. Alles andere wird sich dann schon finden.