Mein Arbeitsalltag im „Centre de Dépistage et de traitement de l’Ulcère de Buruli“ in Allada

Ich arbeite als Volontaire im „Centre de Dépistage et de traitement de l’Ulcère de Buruli“ in Allada. Ich bin ausgebildete Krankenpflegehilfe „aide-soignante“. Meine Aufgabe ist in diesem Krankenhaus als Krankenpflegehilfe und als Erzieherin zu arbeiten. Ich bin bei Verbandwechsel, bei Operationen, bei der Kinesiotherapie und bei den Kindern (Schule)tätig.
Die Arbeit in der Krankenpflege
Die Arbeit in der Krankenpflege erlaubt mit das was ich in meiner Ausbildung in Luxemburg gelernt habe praktisch umzusetzen. Ich arbeite aber auch in Bereichen die ich in meiner Ausbildung und meiner Arbeit in Luxemburg nicht gesehen habe. Ich lerne sehr viel über die Krankheit „Ulcère de Buruli“, die es gottseidank bei uns nicht gibt.
Verbandswechsel

Jeden Montag, Mittwoch und Freitag bin ich um von acht bis ungefähr 10 Uhr beim Verbandwechsel anwesend. Es gibt zwei Verbandsräume.

Verbandsraum A ist für die schmutzigen Verbände oder Wunden. Ihre Verbände werden nur gewechselt und sauber gehalten um keine anderen Entzündungen hervor zu rufen.

Im Verbandsraum B sind die Patienten, die schon eine OP oder mehrere OPs hinter sich haben. Ihre Wunden müssen sauber gehalten werden, darum wird steril gearbeitet. Es sind Patienten mit einer Hauttransplantation, Patienten mit einer Ausschabung des infektiösen Knochens oder Patienten mit Verbrennungen. Die Wunden sind meistens von der Krankheit Buruli Ulcera.

Die Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen müssen zuerst das Material (sterile Geräte, Kompressen und Desinfektionsmitteln) vorbereiten ehe sie mit dem Verbandswechsel anfangen. Die einzelnen Wunden werden sehr vorsichtig gesäubert und es wird darauf geachtet die Agraffen nicht wegzuwischen. Die Wunden werden mit Desinfektionsmittel betupft ehe sie mit Kompressen und Bandagen verbunden werden.

Kleine Patienten, die sehr viel leiden müssen beim Verbandwechsel bekommen eine kleine Süßigkeit um schnell ihre Schmerzen zu vergessen.

Kinesiotherapie

Nach meiner Arbeit im Verbandszimmer gehe ich noch in die Kinesiotherapie. Dort arbeite ich mit den Patienten, die eine Wunde am Arm haben. Wir machen Übungen mit einem extra Plastilin um die Schwellung der Hand und Finger zu reduzieren und um die Motorik zu fördern. Danach arbeitet der Kinesiotherapeut mit ihnen. Um die jungen Patienten zu loben und zu ermutigen, bekommen sie eine kleine Süßigkeit oder ein Luftballon.

Bei Operationen

Die Operationen werden immer Dienstags und Donnerstags ausgeführt. Freitags werden nur Biopsien durchgeführt. Es gibt im Krankenhaus zwei Operationsräume. Diese sind gut ausgestattet und es gibt jeweils zwei Anästhesisten und zwei Operationsteams.

Es kommen Patienten, die schon eine OP hinter sich haben oder die erste OP bekommen. Junge Patienten haben oft Angst alleine auf dem Operationstisch zu liegen oder vor der Infusionsnadel. Sie weinen wegen der starken Schmerzen an den Wunden. Leider kann ich ihnen die Angst und den Schmerz nicht wegnehmen, ich bleibe aber bei ihnen bis sie eingeschlafen sind.

Bei den Operationen sind drei Krankenpfleger, ein Anästhesist und der Arzt anwesend.
Im Krankenhaus werden verschiedene OP‘s durchgeführt.
Zu Diagnosezwecken werden Biopsien durchgeführt.
Bei Exzisionen (Ausschneidung) wird die infizierte Haut um die Wunde weggeschnitten.
Eine Inzision ist ein kleiner Schnitt bei einem Ödem.
Schwierige Operationen sind Amputationen und Hauttransplantationen.
Bei verschiedenen Patienten wird ein Verbandwechsel oder die Mobilisation unter Anästhesie durchgeführt.

Ich assistiere die Krankenpfleger im OP, d.h. ich reiche ihnen das benötigte Material (Kochsalzlösung, Desinfektionsmittel, Kompressen, Verband...). Ich beruhige die jungen Patienten d.h. ich gebe ihnen die Hand um ihnen das Gefühl zu geben dass sie keine Angst haben sollen. Meistens sind die jungen Patienten sehr glücklich dass jemand bei ihnen ist.

Die erzieherische Arbeit
Die erzieherische Arbeit gehörte in Luxemburg nicht zu meiner Ausbildung. Weil ich aber bei meiner Arbeit in einem Behindertenwohnheim auch mit Erziehern zusammen gearbeitet habe ist dieser Bereich für mich nicht komplett neu. Bei dieser Arbeit kann ich auch eigene Projekte entwickeln um den großen und kleinen Patienten ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Hier kann ich auch die Projekte die meine Vorgängerinnen Romy und Elisabeth begonnen haben weiterführen.
Mit den Kindern in der Schule

Die Schule ist jeden Tag von 16 bis 18 Uhr. Ein Lehrer (Montag, Mittwoch und Freitag) und eine Lehrerin (Dienstag und Donnerstag) teilen sich die Arbeit. Ich unterstütze sie. Das ist manchmal schwierig weil nicht jedes Kind französisch versteht.

Ehe die Schulstunde beginnt macht ein Kind die Klasse sauber. Weil nicht genug Platz ist, werden auch ein paar Tische und Stühle ins Freie gestellt. Dann können die Kinder auch draußen spielen und malen.

Außer dem eigentlichen Unterricht wird auch gebastelt, gesungen und getanzt. Sie spielen sehr gerne Djembe d.h. Tamtam. Dazu haben wir auch ein Sänger, der die Lieder in ihrer Sprache singt (Fon)und alle Kinder tanzen zusammen. Ich bin begeistert von diesen traditionellen Tänzen. Wir sprechen mit den Kindern auch über verschiedene Themen (z.Bsp Papaya oder Kartoffel). Manchmal können die Kinder Fernsehen oder sich einen Videofilm anschauen. Es gibt viele Kassetten, aber sie sind voll Staub daher muss der Rekorder oft zur Reparatur gebracht werden. Mit DVD‘s funktioniert es besser aber wir haben nicht so viel Auswahl.

Es gibt auch Regeln in der Klasse, d.h. sie dürfen nicht schlagen und wenn es vorkommt dann müssen sie die Klasse verlassen. Sie dürfen auch nicht im Klassenraum essen oder trinken. .

Arbeit mit einzelnen Kindern

Ich habe angefangen mit verschiedenen Schülern einzeln zu arbeiten. Es sind oft die Schüler, die nie eine Schule besucht haben. Sie wollen schreiben und lesen lernen. Dafür gebe ich ihnen verschiedene Aufgaben um das Alphabet zu erlernen. Ich muss versuchen spielerisch vorzugehen sonst verlieren sie schnell die Geduld und das Interesse.

Die Kinder, die in ihrem Dorf die Schule besuchen, aber leider jetzt im Krankenhaus nicht weiterlernen können, fragen mich nach Übungsaufgaben. Ich mache mit ihnen Rechenaufgaben oder kleine französische Texte. Einige sind so motiviert dass sie von mir Aufgaben wollen, die sie mit aufs Krankenzimmer nehmen.

Die Bibliothek

Romy und Elisabeth haben eine Bibliothek aufgebaut und ich führe dieses Projekt weiter. Jeden Dienstag und Donnerstag sind wir mit unsern Büchern vorm Verbandsraum. Es kommen Patienten, Patientenbegleiter und manchmal auch Klinikpersonal. Bücher kann man bis zu 2 Wochen ausleihen, Zeitschriften nur für eine Woche. Wenn jemand das Buch verloren hat, wird ihm nichts mehr verliehen.

Es gibt auch eine kleine Bibliothek mit Büchern und Zeitschriften für die Kinder im Klassensaal. Die Kinder die nicht lesen können lieben es in den Zeitschriften zu blättern und die Bilder intensiv zu studieren.

Die Filmabende

Seit einiger Zeit biete ich auch den Erwachsenen eine Aktivität an.  Sie haben Schmerzen, liegen den ganzen Tag in ihren Zimmern und sollten auch ein wenig abgelenkt werden. Fast jeden Freitag wird ein Film im Klassenzimmer gezeigt. Jeder ist begeistert und schon am nächsten Tag fragen sie mich welcher Film nächste Woche läuft. Da wir nur eine begrenzte Auswahl an DVD’s haben muss ich versuchen neue DVD’s zu bekommen aber auch andere Aktivitäten zu entwickeln.

Dezentrale Patientenbetreuung in den umliegenden Dörfern

Das CDTUB Allada betreut auch Krankenstationen in den umliegenden Dörfern. Ich begleite den zuständigen Krankenpfleger bei dieser Arbeit. Wir kontrollieren das Material, empfangen und besuchen Patienten und füllen die Krankenakten aus.

Weil diese Dörfer nur ein paar Kilometer weit weg sind und die Straßen schlecht sind fahren wir mit dem Motorrad.

Mir gefällt diese Arbeit weil ich die Möglichkeit habe andere Dörfer zu sehen und die dortige Lebensweise. Ich erfahre so auch mehr darüber wie sich die Menschen infizieren und wie sie sich mit der Krankheit umgehen.

 

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