Verkaufte Seelen: FFL bekämpft Kinderhandel in Nord-Benin

Menschenhandel hat die Geschichte des kleinen Landes in Westafrika jeher geprägt. Ein Blick zurück: Vor mehr als einem Jahrhundert kamen die Könige von Dahomey, dem heutigen Benin, zu groβem Reichtum, indem sie ihre Landsleute verkauften. Jährlich wurden mehr als 10.000 Sklaven nach Brasilien und Haiti verschifft. Und heute? Vor allem im ländlich geprägten Nord-Benin hat sich eine neue Form der Sklaverei etabliert: Weil Armut ihre Existenz zu vernichten droht, verkaufen viele Eltern ihre Kinder an dubiose Händler. Eine Entscheidung mit fatalen Folgen.

Das kriminelle Geschäft mit Kindermenschen als Ware bringt weltweit – gleich nach dem Waffen- und Drogenhandel – die höchsten Gewinne ein. Im Benin sind die meisten Kinder zwischen vier und sieben Jahre alt, wenn sie von ihren Eltern verkauft werden. Mit einem einzigen Handschlag ist ihre Kindheit ausgelöscht. Die Händler denken sich für dieses pietätlose Geschäft eine verlockende Verkaufsstrategie aus: Sie nutzen die Armut der Eltern aus, lassen sie glauben, dass ihre Kinder im Ausland nicht nur eine Ausbildung genieβen werden – zudem locken sie ihr Einverständnis mit der erlösenden Vorstellung, dass ihre Kinder regelmäβig beachtliche Beträge an die Familien überweisen werden, für die erbrachte Arbeit auf dem Feld oder in einem Unternehmen.

Im Alter von gerade mal 4 Jahren wird dieses Mädchen zu Kinderarbeit gezwungen

Betrachtet man die finanzielle Ausweglosigkeit der Eltern, so mag die Intention in einem anderen Licht erscheinen, wenn sie ihre Sprösslinge den Mittelsmännern anvertrauen. Die Realität zeigt allerdings, dass sie die Seelen ihrer Kinder für gerade mal 30 Euro an den Teufel verkauft haben, wie ein Stück Vieh, das geschlachtet werden soll. An die blumig formulierten Versprechen wollen sich die Händler nämlich nicht mehr erinnern, sobald sie die Landesgrenze mit den Kindern passiert haben. Seit 2006 hat sich die Fondation Follereau Luxembourg (FFL) das Ziel auf die Fahnen geschrieben, möglichst vielen Kindern dieses Trauma zu ersparen. Denn vielfach werden die Mädchen als Prostituierte an Bordelle verkauft, als Hausmädchen versklavt, zu einer Heirat gezwungen oder illegal adoptiert. Die meisten  Jungen werden dazu gezwungen, unentgeltlich auf dem Feld zu schuften oder in den Tiefen der ihnen noch unbekannten Stadt Geld zu stehlen oder zu erbetteln. Der Benin zieht Kinderhändler förmlich an, wie der Honig die Bienen. Da die kriminellen Machenschaften selten Strafverfolgungen nach sich ziehen, ist ein Abflauen des Trends nicht in Sicht.

Ausgebeutet: Diese Kinder müssen täglich unentgeltlich auf dem Feld schuften

Schätzungen zufolge werden jährlich zwischen 600.000 und 800.000 Kinder Opfer dieses skrupellosen Geschäftes. Ein Grund dürfte in der geographisch vorteilhaften Lage liegen: Der Benin gilt als Transitland; die Mittelsmänner bringen ihre Opfer schnellstmöglich über die Grenzen nach Togo, Nigeria weiter bis in den Gabun. Die Reisen über die Grenzen werden gröβtenteils im Norden des Landes abgewickelt, nahe der Städte Djougou und Parakou. Gemeinsam mit dem starken Partner Association Raoul Follereau du Bénin unterstützt die Fondation Follereau Luxembourg in eben diesen beiden Städten Projekte, die dem Kindesschutz dienen. Die Mitarbeiter beider Hilfsorganisationen haben längst erkannt, dass Armut in erster Linie zum Kinderhandel führt. Daher bieten sie den Müttern Mikrokredite an, damit diese ihre Familien zumindest aus eigener Kraft ernähren können. Sensibilisierungskampagnen für Eltern und Kinder über die Gefahren des Kinderhandels gehören ebenso zum Hilfsprojekt wie die konsequente Eingliederung der Kinder in eine schulische oder berufliche Ausbildung. Zudem kontrollieren die Hilfsorganisation die wichtigsten Handelsrouten, um Kinderhändler – in letzter Sekunde sozusagen – daran zu hindern, die Landesgrenze zu überqueren.

Kinderhandel im Benin schafft jährlich mehr als 600.000 neue Opfer (Bilder: Thierry Winn)

Wenn Sie uns bei dem Ziel unterstützen möchten, noch mehr Kinder im Benin bei ihren Familie aufwachsen zu sehen, dann helfen Sie uns mit einer Spende mit dem Hinweis auf KINDERHANDEL BENIN auf unser Konto: BCEE IBAN LU 38 0019 1100 2081 3000.