Getroffen von den Auswirkungen der politischen Krise: Alternde Leprakranke in Mali

Mamadou Coulibaly ist heute über 60 Jahre alt, und kann damit auf ein, für afrikanische Verhältnisse, sehr langes und ereignisreiches Leben zurückschauen. Tatsächlich hat er vieles erlebt und erfahren, was nicht nur für sein Heimatland Mali, sondern für eine ganze Epoche prägend war.

Geboren als einziger Sohn armer Eltern wuchs er in einem kleinen Dorf etwa 160 km von Bamako entfernt auf, als guter Schüler war er der Stolz der Familie, als einzigem Sohn ruhten alle Hoffnungen auf ihm. Im Alter von 12 Jahren aber erkrankte er an Lepra; „Mein Onkel entdeckte weiße Flecken an meinem Körper, die Diagnose des Arztes war ein großer Schock für mich und meine Familie“. Lange scheint es, als könne kein Medikament gegen die Krankheit helfen, fast 20 Jahre probierte man die Krankheit mit unterschiedlichen Medikamenten zu stoppen, erst 1980 konnte er durch eine Kombinationstherapie mit verschiedenen Antibiotika geheilt werden.

Die Krankheit hatte bis dahin sein Leben dominiert, denn sie hatte nicht nur Auswirkungen auf seine Gesundheit, sondern auch auf seine soziale Stellung. Leprakranke gehörten damals, wie auch heute noch, zu den Ausgeschlossenen der Gesellschaft. Wurden sie früher aus Angst vor Ansteckung vertrieben oder mussten am Rande der Gesellschaft leben, so werden sie heute zwar geduldet, an ihrem Schicksal als Außenseiter hat sich aber wenig geändert. Zu stark wird die afrikanische Gesellschaft von Hierarchien und Traditionen geprägt, ein Raster, aus dem nur wenige Leute ausbrechen können.

Zwei Leprakranke auf einem als Rollstuhl umgebauten Fahrrad, Bamako, Mali, Foto T. Winn

Coulibaly gelang genau dies, als Präsident der „Association malienne des handicapés de la Lèpres“ (AMHL) engagierte er sich für andere Leprakranke, baute die Hilfsorganisation in Bamako auf und etablierte eine Gesundheitsvorsorge, Aufklärung sowie eine Verteilung und Kontrolle von Medikamenten für Leprakranke. Seine Arbeit wird seit 2004 von der Fondation Follereau Luxembourg (FFL) unterstützt, Coulibaly erhielt 2010 den Prix Follereau für sein Lebenswerk, den Kampf gegen Lepra.

Leben mit dem Stigma Lepra

Auch wenn Lepra heute geheilt werden kann, die ehemaligen Kranken sind durch ihre Verstümmelungen als solche immer noch zu erkennen und das Stigma der Krankheit verhinderte bei vielen einen „normalen“ Lebensweg mit Schulabschluss und Ausbildung. Viele sind zwar geheilt, aber waren zu einem Leben als Bettler gezwungen, ein Schicksal, das sich auch auf ihre Kinder übertrug. Die FFL unterstützt die Arbeit von Mamadou Coulibaly und der AMHL seit vielen Jahren mit Lebensmitteln, Geldern für Sensibilisierungskampagnen und finanziert Fortbildungen, die es den Menschen ermöglichen sollen, sich ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Doch die meisten der ehemaligen Leprakranken sind heute ohne Unterstützung zum Betteln gezwungen. Beispielhaft ist etwa Yaya Diarras (54 Jahre) Aussage: „Ich lebe mit meiner Frau und unseren vier Kindern zusammen. In den letzten Jahren haben wir durch die Lebensmittelunterstützung ein besseres Leben führen können, sie rettet uns vor dem Spott und der Demütigung durch die anderen, weil wir nicht gezwungen sind zu betteln. Ein ehemaliger Leprakranker bettelt nicht aus Vergnügen, sondern weil er nur so überleben kann. Dies ist mir lange erspart geblieben und es wird hoffentlich auch weiter so sein.“

Auch Marama Sanogos (65 Jahre) bestätigt dies: „Ich war Witwe mit acht Kindern, erst durch die Lebensmittelunterstützung konnte ich sie zur Schule schicken, vorher waren wir zu sehr damit beschäftigt überhaupt etwas Essbares zu bekommen. An Schule war nicht zu denken. Dies hatte sich dadurch geändert.“ Mamadou Coulibaly liegen seine Schützlinge am Herzen, aus aktuellen Anlass, hat er sich Anfang August mit einem dringenden Appell an die FFL gewendet: „Durch die politische Krise im Mali und die Unruhen haben sich die Lebensmittelpreise drastisch erhöht, den Reis für unsere Hilfsbedürftigen können wir nicht mehr für alle bezahlen, gerade viele alte Menschen müssen nun ohne weitere Hilfe hungern.“

Helfen Sie uns diesen Menschen ein Alter in Würde zu ermöglichen, mit Ihrer Unterstützung können wir ehemalige Leprakranke mit Essen und Medikamenten versorgen und ihre Familien durch Fortbildungsmaßnahmen und Mikrokredite vor einem ähnlichen Schicksal schützen. Bitte unterstützen Sie uns mit eine Spende auf das Konto der Fondation Follereau Luxembourg CCPL IBAN LU15 1111 0000 7878 0000 mit dem Hinweis: „Alternde Leprakranke in Mali“.