Franz Wiedemann, DAHW: “Kein Freund von weißen Elefanten“

Luxemburg, 07.10.2013 – “Ich bin kein Freund von irgendwelchen, weißen Elefanten, es ist zwar einfach neue Hospitäler zu bauen und diese auch selbst zu unterhalten, aber ich bin der Auffassung, dass die Länder die Arbeit selbst machen müssen“, sagt Franz Wiedemann während des Arbeitsmeetings zwischen der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe DAHW und der FFL in Luxemburg. Der Repräsentant der DAHW in Togo, Wiedemann, lässt keinen Zweifel: Die DAHW begleitet ihre Partner im Togo mit finanzieller Hilfe, technischem Knowhow und mit Ratschlägen, eine nachhaltige Politik zu entwickeln – doch die Ziele, müssen die Menschen vor Ort selbst formulieren und umsetzen. Mit diesem Konzept konnte Wiedemann in den vergangenen Jahren bereits große Erfolge bei der Bekämpfung von Lepra, Tuberkulose und Buruli Ulcer in einem der ärmsten Länder der Welt verzeichnen. Die FFL hat die DAHW auf diesem Weg seit dem Jahre 2000 mit 750.000 Euro im Togo unterstützt. 

Die Fondation Follereau Luxembourg (FFL) unterstützt in insgesamt sechs Ländern Projekte zur Bekämpfung von Lepra, Tuberkulose und Buruli Ulcer: Zu den Partnerländern gehören der Benin, Mali, die Zentralafrikanischen Republik, Madagaskar, die Komoren und Togo. Im letztgenannten Land  besteht die Hilfe aus einer reinen Unterstützung der weltweit bekannten Lepra- und Tuberkulosehilfe aus Deutschand, DAHW. „Mit dem sehr professionellen Partner der DAHW im Togo haben wir das Glück, die Bekämpfung der sogenannten, vernachlässigten, tropischen Krankheiten teilweise auch empirisch voran treiben zu können“, sagt Christophe Wantz, Projektleiter bei der FFL.

DAHW-Repräsentant Franz Wiedemann besucht Patientin im nationalen Krankenhaus in Tsévie (Quelle: DAHW)

Eine Entwicklung, die Repräsentant Franz Wiedemann maßgebeblich nach vorne gebracht hat. 2007 machte er sich für die Renovierung und den Ausbau des nationalen Krankenhauses in Tsévie stark, sodass dort kurze Zeit später das Buruli-Zentrum der DAHW untergebracht werden konnte, das als nationales Diagnosesystem fungiert. Zum Vergleich: Vorher wurden Gewebe-Proben nach Deutschland geschickt, weil es im Togo kein Labor gab, das einen sogenannten PRC-Testdurchführen konnte – die Ergebnisse lagen erst fünf bis sechs Wochen später vor. Seit der Einrichtung des nationalen Diagnosesystems können die Resultate innerhalb einer Woche im Land selbst erhoben und geliefert werden. Die DAHW-Togo engagiert sich auch in der Forschung. Schon seit längerer Zeit arbeitet die DAHW mit der Ludwig-Maximilian-Universität in München (LMU) sowie dem Bernhard-Nocht-Institut Hamburg (BNI) zusammen. Im Rahmen des von der EU finanzierten Forschungsprojekts „BuruliVac“ arbeitete die DAHW-Togo mit sieben europäischen und vier afrikanischen Partner zusammen, um mehrere Individuen auszumachen, an denen die Erstellung eines Impfstoffes gegen Buruli erprobt wird. Im Moment wird zusammen mit der LMU eine verbesserte Diagnosemethode für die Lepra gesucht.

Armut bekämpfen = Krankheiten bekämpfen

Lepra und Buruli Ulcer werden als sogenannte, vernachlässigte tropische Krankheiten bezeichnet, da sie in der weltweiten Bekämpfung und Forschung wesentlich weniger Aufmerksamkeit erhalten als beispielsweise omnipräsente Krankheiten wie Aids. Buruli Ulcer ist genetisch eng verwandt mit dem Lepra-Bakterium und weist auch ähnliche Folgen auf: Die Lähmungen der Gliedmaßen können im äußersten Falle zu Amputationen führen. Ein besonderes Merkmal der Buruli Ulcer-Erkrankung sind hingegen großflächige, offene Wunden. Das oberste Prinzip besteht in der frühzeitigen Entdeckung und Behandlung der Krankheit. Denn Buruli Ulcer ist heutzutage heilbar – sehr problematisch ist allerdings, dass die Krankheit immer wieder ausbrechen kann. Der entscheidende Faktor birgt in diesem Zusammenhang in den äußeren Lebensumständen- und Orten der Patienten. „Wenn man die Armut bekämpfen würde, hätte man auch weniger Probleme in der Gesundheit“, präzisiert Franz Wiedemann.

Forschungungsarbeit mit der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) – Franz Wiedemann (2.v.l.) zeigt sich zufrieden (Quelle: DAHW)

Auch bei der Lepra bestehen die ersten Herausforderungen in der frühzeitigen Entdeckung und Diagnostizierung, so wie bei Buruli Ulcer. „Ich denke, die größte Herausforderung in der Leprabekämpfung besteht darin, sie unter Kontrolle zu halten, alle Patienten fünf Jahre lang zu beobachten und zu begleiten und vor allen Dingen ihr Umfeld. Denn wenn man das Umfeld mit begleitet, dann denke ich, dass wir in naher Zukunft wirklich daran gehen können, die Krankheit auszurotten“, so Franz Wiedemann. Klar ist: Wenn ein Patient im Falle einer Lepra-Erkrankung frühzeitig, bevor äußere Anzeichen sichtbar sind, unter Beobachtung gestellt werden könnte, wäre einer flächendeckenden Bekämpfung der Krankheit sehr geholfen. Weiter ergänzt der DAHW-Repräsentant: „Solange die Staaten, die Gesundheit einfach nicht so finanzieren, wie es notwendig wäre, wird hier Bedarf notwendig sein.“

Zukunftsvision: „Wir haben die Aufgabe uns überflüssig zu machen“

Ein klar gestecktes Ziel von Wiedemann ist es, alle DAHW-Projekte im Togo bis 2016 zu dezentralisieren und in das nationale Gesundheitssystem einzubinden. „Denn Programme, wie wir sie derzeit unterstützen, haben die Aufgabe sich überflüssig zu machen“, sagt der Repräsentant beim Arbeitsmeeting in Luxemburg. Somit würden die Hilfsprojekte ab 2017 keine Finanzmittel mehr für systemrelevante Komponenten benötigen und praktisch selbstständig arbeiten. Dies würde im Bestfall bedeuten, dass nur noch allgemeine Materialhilfe in ausgesuchten Fällen und halbjährliche Supervisionen notwendig wären. Aus FFL-Sicht der richtige Ansatz, um die Verantwortlichen nicht aus ihrer Eigenverantwortung zu entlassen – und „weißen Elefanten“ den Spielraum zu nehmen…