Der Weltwassertag – ein Nachtrag von Christophe Wantz

Für was steht eigentlich der Weltwassertag? Nun, aus Sicht eines Hilfswerks bedeutet dieser es ganz sicherlich, dass der Zugang zu sauberem Trinkwasser ein Grundrecht ist. 800 Millionen Menschen in Entwicklungsländern haben weiterhin keinen Zugang zu sauberem Wasser. Die Folge: Täglich sterben mehr als 3.000 Kinder unter 5 Jahren aufgrund von Durchfallerkrankungen, die durch Krankheitserreger im Wasser ausgelöst werden.

In der luxemburgischen Gesellschaft spielt hingegen das Thema Wasser und speziell das Thema Trinkwasser in den Köpfen der Menschen bisweilen eine untergeordnete Rolle. Die alltägliche Wahrnehmung des Leitungswassers beschränkt sich auf einen 25 Zentimeter langen Wasserstrahl, der augenblicklich aus dem Hahn fließt, wenn man diesen aufdreht. In wenigen Sekunden verschwindet das kostbare Nass dann aber auch schon wieder im Abfluss. Sozusagen aus den Augen, aus dem Sinn.

In den Gesundheitsprojekten der Fondation Follereau Luxembourg spielt Wasser eine wichtige Rolle (Bild: Thierry Winn)

Sinn-los! In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an einen einschlägigen, älteren Dokumentarbericht. An den öffentlichen Trinkwasserbrunnen in Südafrika sind Gebührenautomaten angebracht. Man wirft zuerst Kleingeld ein und kann dann eine bestimmte Menge Wasser in seinen Behälter füllen. Mir bleibt eine Szene unvergesslich, wo eine neue Wasserstelle von den Ortsvorstehern eingeweiht wird und rund 100 Meter weiter entfernt, buddelt eine afrikanische Mutter, das Kind auf dem Rücken tragend, im Erdreich nach Wasser. Auf die Frage eines Journalisten, warum sie denn nicht die neue Wasserstelle in Anspruch nehme, aus der frisches und sauberes Trinkwasser hervorkomme, antwortete sie kurz: „Ich habe kein Geld, um mir dieses saubere Trinkwasser zu kaufen. Mein Kind hat Durst und ich sehe zu, Wasser zu bekommen, um seinen Durst zu stillen, damit sein Schreien aufhört.“

Der anglo-amerikanische Poet W. B. Auden schrieb in First Things First diesen wunderbaren Satz: “Thousands have lived without love; not one without water.” Wie wahr dieser Satz ist.

Auch bei uns sind Darmgrippen gefürchtet. Man fühlt sich schwach und antriebslos. Doch nach einigen Tagen ist die Störung meist vorbei. Anders in den Zielländern der Hilfswerken. Schnell kann akute Infektion sogar zum Tod führen, weil der Organismus geschwächt ist. Angesichts der prekären Lebensbedingungen sind ernste gesundheitliche Risiken aufgrund von Erkrankungen des Verdauungssystems für Menschen in Entwicklungsländern ungleich höher als bei uns. Darmwürmer, Amöben, Typhus oder Cholera sind vor allem in tropischen Ländern endemisch, machen die Menschen schwach und behindern die Entwicklung. Jeden Tag sterben daher mehr als 3.000 Kinder an Krankheiten des Verdauungssystems: Das sind mehr als insgesamt an AIDS, Malaria und Tuberkulose sterben. Die wichtigsten Ursachen dafür sind verschmutztes Trinkwasser, fehlende Sanitäreinrichtungen und mangelnde Hygiene.

Erst im 19. Jahrhundert stellten Wissenschaftler und Mediziner wie Louis Pasteur oder Dr. Robert Koch nachweisbar fest, dass Infektionskrankheiten durch die Anwesenheit von Mikroorganismen wie z.B. Bakterien, Viren und Parasiten hervorgerufen werden. Der Zusammenhang zwischen verschmutztem Wasser und Krankheiten wie Ruhr, Typhus und Co. bewegte dann auch 1906 den luxemburgischen Gesetzesgeber, ein Gesetz zur Förderung der öffentlichen Gesundheit zu schaffen. Die Abnahme dieser Krankheiten in Luxemburg ist nicht aus heiterem Himmel gekommen, sondern sie fundiert letzten Endes auf dem Aufschrei der ansässigen Ärzteschaft gegen die anzutreffende, miserable Volksgesundheit anzugehen und resultiert aus ihrem Engagement, die kommunalen Räte zu einer aktiven Rolle bei der Verbesserung der Gesundheit zu überzeugen. Man begann also, die Haushalte an ein öffentliches Wasserversorgungsnetz anzuschließen und die Abwasserentsorgung zu kommunalisieren.

Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten, wie die Graphik 7.1 am Beispiel des Rückgangs der Typhusfälle illustriert. Durch die getätigten Investitionen in die Siedlungswirtschaft im 20. Jahrhundert erzielte der Staat positive externe Effekte (positive Externalitäten): Der Trinkwasser- und Abwasseranschluss brachte einen deutlichen Fortschritt in der Verbesserung der Volksgesundheit und die Investitionen in den Auf- und Ausbau des Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsnetzes lohnte sich gleich auf zwei Ebenen. Die Ausgaben für die medizinische Behandlung und Betreuung von wasserbezogenen Krankheiten verringerten sich seitens der Haushalteausgaben, und es erfolgten auch Einsparungen bei den öffentlichen Ausgaben der Gesundheits- und Sozialkassen, da sich die ärztlichen Konsultationskosten, Kosten für Medikamente und Krankengeld, verringerten.

In den Gesundheitsprojekten der Fondation Follereau Luxemburg spielt Wasser eine wichtige Rolle – denn die Menschen verweilen nur dort, wo sie Perspektiven haben – für sich und ihre Familie: eine berufliche Ausbildung, ein kleines Startkapital und ein Zugang zu einer sicheren Wasserquelle. Denn ein sicherer Brunnen bedeutet Gesundheit. 2014 werden neun ländliche Gesundheitsposten und Geburtshäuser in Burkina Faso, Mali und im Benin fertig gestellt, gebaut oder renoviert. Alle werden einen Zugang zu einer sauberen Wasserquelle haben – damit die Hände der Hebammen und der Krankenschwestern Leben schenken und nicht nehmen.

Christophe Wantz

Geschäftsführer der FFL & Wasserexperte