61. Weltlepratag am 26. Januar 2014

Gemeinsam ans Ziel: Für eine Welt ohne Lepra

Madagaskar, 5. Juli 2013: Zwei Mitarbeiterinnen der FFL treffen sich in Amborompotsy mit 200 Leprakranken. Die Nachricht ihres Besuches hat sich schnell herumgesprochen und die Leprakranken, die davon gehört haben, haben sich schon Tage vor dem Termin auf den Weg gemacht.

Da die Straßen schlecht sind und Verkehrsmittel in den ländlichen Regionen des Inselstaates kaum existieren, sind die meisten zu Fuß gekommen, sind trotz ihrer Krankheit und Behinderungen tagelang mühselig gelaufen und haben enorme Strapazen auf sich genommen um die Vertreter der FFL zu sehen. Bei dem Treffen erzählen die Kranken ergreifende Geschichten: Ein Mann musste fast hundert Kilometer laufen, da niemand, kein Sammeltaxi, Auto oder Lastwagen aus Ansteckungsgefahr bereit war ihn mitzunehmen. Eine lepröse Frau beklagt ihre große Angst von ihrer Familie ausgeschlossen zu werden und völlig alleine leben zu müssen. Angesichts dieser Tatsachen fragt man sich automatisch;  warum löst Lepra solches Entsetzen aus und aus welchen Gründen werden die Betroffenen selbst heute noch so alleine gelassen?

Was bedeutet eine Infektion mit Lepra?

Lepra ist eine Infektionskrankheit, sie wird durch das Mycobacterium leprae übertragen. Wahrscheinlich geschieht dies durch Tröpfcheninfektion. Da Lepra eine lange Inkubationszeit hat, die zwischen wenigen Monaten und 30 Jahren dauern kann, tragen viele Betroffene die Krankheit oft lange, manchmal jahrelang in sich, bevor sie ausbricht und werden so selbst zum Überträger, ohne es zu wissen.

Lepra greift die Haut und das Nervensystem an: Charakteristisch sind Hautflecken, die langsam gefühllos werden. Tatsächlich gibt es zwei Typen von Lepra, die sich durch die Anzahl ihrer Bakterien und den Grad ihrer Ansteckung unterscheiden. Die paucibazilläre Lepra verfügt über wenige Bakterien, sie ist wenig oder gar nicht ansteckend und lässt sich an weißen Flecken am Körper erkennen. Sie schädigt das Nervensystem und führt zum Gefühlsverlust auf der Haut. Die multibazilläre Lepra ist aufgrund der vielen Bakterien hochansteckend, die Bazillen vermehren sich und befallen die Haut, Nasenschleimhaut und Gesicht. Die beiden Formen der Lepra sind heute zum Glück heilbar. Die typischen körperlichen Deformationen, Lähmungen und Verstümmelungen oder Blindheit, die man Jahrtausende lang mit Lepra verband und die die Betroffenen stigmatisierten, sind damit heute vermeidbar geworden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Lepra, diese Krankheit, die früher ein Todesurteil war, ist heute heilbar und das sogar viel schneller als man denken würde: Innerhalb von sechs bis zwölf Monaten wird der Lepra-Erreger mit einer Kombinationstherapie abgetötet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO (World Health Organisation) empfiehlt seit 1982 die sehr wirksame Polychemotherapie, bei der durch eine Kombination verschiedener Antibiotika gute Heilungschancen bestehen und mit der die Patienten schon ab der ersten Einnahme nicht mehr ansteckend sind.

Medizinische Versorgung einer Leprakranken auf Madagaskar, Foto: T. Winn/FFL

Erste Anzeichen für eine Infektion sind häufig helle, sich taub anfühlende Flecken auf der Haut. Wenn Lepra früh erkannt wird, ist eine vollständige Heilung möglich. Da die Krankheit aber oft erst nach Ausbruch diagnostiziert wird, kann sie irreparable Schäden verursachen, bevor der Patient von ihr geheilt wird. Dabei handelt es sich meist um Behinderungen, die durch das Absterben der Nervenzellen entstehen: Die Betroffenen verletzen sich durch die entstandene Gefühlslosigkeit leichter, da sie die Wunden nicht spüren und deswegen weniger gut behandeln. So kann es zum Absterben und zur Deformation von Gliedmaßen, etwa häufig von Zehen und Fingern, oder etwa auch Sehbehinderungen kommen. Diese kennzeichnen die Kranken natürlich deutlich sichtbar für ihr Umfeld, was dazu führt, dass sie aus Angst vor Ansteckung oft von ihren Familien oder ihrer Umgebung verstoßen werden und so ausgeschlossen von der Gesellschaft selbst heute noch meist nur als Bettler überleben können. In den vergangenen Jahrzehnten konnte vielen Menschen geholfen werden, doch Schätzungen gehen davon aus, dass etwa vier Millionen Erkrankte irreparable Schäden durch Lepra davontrugen.

Warum sollte man sich weiter für die Bekämpfung von Lepra einsetzen?

Aber gibt es Lepra heute überhaupt noch? Ja, Lepra gibt es weiter, auch wenn sie in Europa nicht mehr existiert. Die WHO (World Health Organisation) meldete für 2012 immer noch über 230 000 neue Fälle weltweit. Zum Vergleich: 2005 waren es noch etwa 300 000 Erkrankungen. Diese Erfolgsmeldung ist erfreulich, birgt aber große Gefahren in sich; Lepra ist nicht ausgerottet, sondern wurde bislang nur sehr erfolgreich zurückgedrängt. Da die Inkubationszeit bis zu 30 Jahre dauern kann, bleibt die Gefahr einer erneuten Verbreitung weiter vorhanden und darf nicht vergessen werden. Doch weil die Krankheit heute oft nicht mehr im vordersten Bewusstsein der Medien steht, schwinden Interesse, finanzielle Unterstützung und damit auch das Diagnose- und Behandlungswissen und begünstigen so die Möglichkeit einer neuen Verbreitung. Ein vergleichbarer Fall ist etwa Tuberkulose, die Krankheit galt als fast ausgerottet, verbreitet sich nun aber durch den Wegfall der Grenzen und durch Reisende, etwa aus Asien, weltweit wieder. Einzelne Fälle wurden auch in Europa gemeldet. Lepra kann mit den Methoden der modernen Medizin vollständig ausgerottet werden, es ist jetzt wichtig in den Anstrengungen nicht nachzulassen, sondern durch weiteres Engagement auch konsequent weiter daran zu arbeiten.

Raoul Follereau und der 61. Weltlepratag

Der französische Schriftsteller und Journalist Raoul Follereau (1903-1977) gründete den Weltlepratag 1954, nachdem er sich schon seit vielen Jahren für Leprakranke eingesetzt hatte: Auf einer Afrikareise sah er 1935 die ersten Leprakranken. Schockiert von ihrem Leiden setzte er sich in den folgenden Jahrzehnten unermüdlich für sie ein.  Nach ihm benannt,  wurde die Fondation Follereau Luxembourg, 1966 gegründet. Seitdem konnte die FFL etwa 600.000 Leprakranke behandeln.

Nach der Behandlung, Madagaskar, Foto: T. Winn/FFL

Die FFL unterstützt zurzeit Lepraprojekte in Mali, Togo und auf Madagaskar: In Mali seit 2004 die ONG AMHL (Association Malienne des Handicapés de la Lèpre), die von einem ehemaligen Leprakranken, Mamadou Coulibaly, geleitet wird. Hier handelt es sich um Leprakranke, die nun geheilt sind, aber als Ausgestoßene der Gesellschaft Unterstützung durch berufliche Fortbildungen und Mikrokredite bekommen, um nicht als Bettler zu enden. Anders ist die Situation auf Madagaskar: Auf dem Inselstaat wurden 2012 bei einer Einwohnerzahl von etwa 22,29 Millionen Menschen 1474 neue Fälle registriert, was bedeutet, dass sich Lepra bedingt durch große Armut und schlechte Ernährung weiter ausbreitet. Die FFL unterstützt die Betroffenen und ihre Familien mit handwerklichen oder landwirtschaftlichen Berufsausbildungen und klärt die Bevölkerung durch Sensibilisierungskampagnen auf.

Möchten Sie uns helfen? Was können Sie für diese Menschen tun?

Lepra ist eine Armutskrankheit, die vor allem Menschen befällt, die ohnehin mangelhaft ernährt sind und in schlechten hygienischen Verhältnissen leben. Die Krankheit selbst kann heute gut erkannt und behandelt werden. Die Medikamente sind kostenlos, die aufwendige ärztliche Behandlung kostet 50 Euro. Meist ist schon nach sechs Monaten bis zu einem, in schweren Fällen bis zu zwei Jahren, eine vollständige Heilung möglich.

Wir kümmern uns nicht nur um die medizinische Versorgung und Behandlung, wir unterstützen auch Hilfsprogramme, bei denen geheilte Leprakranke Fortbildungen erhalten und Mikrokredite bekommen, um sich und ihre Familien selbst ernähren zu können und eigene Verantwortung zu übernehmen. Mit Ihrer Spende können wir so Lepra medizinisch heilen und gleichzeitig dafür sorgen, dass ihr Nährboden, die Armut, schwindet. In den vergangenen Jahrzehnten ist schon viel geschehen, wichtig ist es nun weiter zu helfen und den Menschen, von denen viele von der Gesellschaft stigmatisiert und ausgeschlossen wurden, eine dauerhafte Perspektive zu geben.

Die Bekämpfung der Lepra gehört zu den Erfolgskapiteln der modernen Medizin und der Zusammenarbeit zwischen Staaten im Dienst der öffentlichen Gesundheit. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass diese Erfolgsgeschichte weitergeht und Lepra in Kürze ausstirbt, damit sie eines Tages wirklich nur noch Geschichte ist.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Engagement der FFL gegen Lepra:

http://www.ffl.lu/contact/61-weltlepratag-am-26-januar-2014/61-weltlepratag-hilfe-fur-madagaskar/

http://www.ffl.lu/contact/61-weltlepratag-am-26-januar-2014/61-weltlepratag-interview-mit-dem-direktor-der-ffl/

Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass eine Welt ohne Lepra möglich wird. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende auf das Konto der Fondation Follereau Luxembourg CCPL IBAN LU15 1111 0000 7878 0000 mit dem Hinweis: 61. Weltlepratag.