61. Weltlepratag: Interview mit dem Direktor der FFL

Am Sonntag, 26. Januar 2014, ist der 61. Weltlepratag. Grund genug für ein Interview mit dem Direktor der Fondation Follereau Luxembourg (FFL), Christophe Wantz, zu diesem Thema.

Herr Wantz, was verbinden Sie mit Lepra? Die FFL ist ja eng mit der Bekämpfung dieser Krankheit verbunden.

Ja, das stimmt. Tatsächlich war der Kampf gegen Lepra der Grund für die Entstehung der FFL in Luxemburg. Dies geschah 1966, vor 58 Jahren, damals erhielt die FFL ihren Namen zu Ehren von Raoul Follereau (1903-1977), der sein Leben dem Kampf gegen diese Krankheit gewidmet hat. Seitdem hat sich viel getan und wir können stolz auf unsere geleistete Hilfe sein: Etwa 600.000 Leprakranke konnten dank der FFL behandelt werden. Dies hätten wir aber nie ohne die tatkräftige Unterstützung vieler Menschen hier in Luxemburg geschafft!

Aktuelle Kampage zum 61. Weltlepratag

Und heute? Das Engagement der FFL konzentriert sich ja nicht mehr nur auf Lepra.

Heute haben wir immer noch Hilfsprojekte in Mali, Togo und auf Madagaskar gegen Lepra, auf die ich auch gleich zurückkommen will. Die FFL hat sich aber, ausgehend von ihrem Kampf gegen Lepra, weiterentwickelt. Man kann dieses Engagement als Grundlage aller unserer Projekte heute sehen: Verbesserung der kommunalen Gesundheitsversorgung, Förderung der Berufsausbildung benachteiligter Jugendlicher, Hilfe für Kinder in Not und Bekämpfung von Lepra und Buruli Ulcer. Alle diese Themen finden sich schon im Kampf gegen Lepra und wurden von uns weiterentwickelt und auf andere Bereiche übertragen, so dass wir 2014 insgesamt 35 Hilfsprojekte in 9 afrikanischen Ländern unterstützen werden.

Aber ist Lepra denn heute überhaupt noch aktuell? Die Krankheit ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen und dank dem medizinischen Fortschritt gibt es sehr wirkungsvolle Medikamente dagegen.

Heute ist Lepra schnell heilbar: Innerhalb von sechs bis zwölf Monaten wird der Lepra-Erreger mit einer Kombinationstherapie abgetötet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO (World Health Organisation) empfiehlt seit 1982 die sehr wirksame Polychemotherapie, mit der die Patienten schon ab der ersten Einnahme nicht mehr ansteckend sind. Aber Lepra ist eine Infektionskrankheit, sie wird durch das Mycobacterium leprae übertragen und greift das Nervensystem und die Haut an, und wie sie übertragen wird, ist immer noch nicht bekannt. Manche Menschen erkranken daran, andere nicht, übertragen die Krankheit aber. Hier müsste von medizinischer Seite mehr geforscht werden, um die Übertragungswege zu kennen und so noch wirkungsvoller dagegen vorzugehen. Man darf nie vergessen:  Da die Inkubationszeit bis zu 30 Jahre betragen kann, ist nicht abschätzbar, ob Lepra in der Zukunft besiegt ist.

Aber gibt es nicht viel drängendere Probleme, für die man sich engagieren müsste?

Feststeht, dass Lepra seit biblischen Zeiten eine Plage der Menschheit ist, die die Betroffenen verstümmelt und zu einem grausamen Schicksal verurteilt hat. Gerade jetzt, wo die Krankheit fast ausgerottet ist und wir effektive Medikamente dagegen haben, dürfen wir hier nicht nachlassen, denn wir haben die einmalige Chance sie endgültig zu besiegen und so auch dafür zu sorgen, dass nachfolgende Generationen nicht mehr darunter leiden müssen. Ich muss auch betonen, dass die Zahl der Neuerkrankungen immer noch ein Grund zur Besorgnis ist, wenn wir hier nachlassen, werden wir bald merken, dass die Zahlen ansteigen werden. Hier möchten wir nicht nach dem Prinzip des Aktionismus handeln, sondern langfristig arbeiten und dazu gehört auch, dass wir weiter daran arbeiten Lepra endgültig zu besiegen.

Gerade in den armen Ländern der Welt ist Lepra noch verbreitet. Mehr als 230.000 Menschen sind 2012 neu an Lepra erkrankt, 2013 dürfte die Zahl ähnlich hoch gewesen sein. Woran liegt das?

Lepra ist eine Armutskrankheit. Das kann man nicht oft genug hervorheben: Armut, schlechte Ernährung, mangelnde Hygiene, kaum Gesundheitsvorsorge, all das ist der ideale Nährboden für Lepra. Die meisten Kranken sind Menschen, die in prekären Verhältnissen leben und deren Immunsystem und Körper schon an sich anfällig für Krankheiten sind. So ist das auch auf Madagaskar. Der Inselstaat gehört zu den 16 Schwerpunktländern, in denen weltweit die meisten Lepraerkrankungen 2012 auftraten. Hier unterstützt die FFL seit den neunziger Jahren durch die lokale ONG Akanin’ny Marary (AM) verschiedene Projekte gegen Lepra und insgesamt sieben Gesundheitszentren in den Regionen Amoron’i Mania und Mananjary im Zentrum des Landes. Die Mitarbeiter der ONG sind in diesen ländlichen Gegenden vor allem in den Dörfern aktiv, sie leisten Sensibilisierungsarbeit und verweisen Erkrankte an die Gesundheitszentren, wo sie kostenlos Medikamente erhalten können.

Leprakranker Junge, Madagaskar, Foto: T. Winn/FFL

Gegen Lepra kann heute viel getan werden. Doch weltweit leben ungefähr vier Millionen ehemalige Leprakranke, die oft stark durch die Krankheit gezeichnet sind und etwa unter fehlenden Gliedmaßen leiden. Was kann man für diese Menschen tun?

Lepra ist heute schnell heilbar- und wenn dies rasch in einem frühen Stadium geschieht, dann bleiben auch keine äußeren Zeichen davon zurück. Da hat sich zum Glück viel getan, aber immer noch wird bei mehr als 10% aller Patienten die Krankheit so spät entdeckt, dass irreparable Schäden zurückbleiben. Diese zu vermeiden ist sehr wichtig, denn in vielen Kulturen, so etwa auf Madagaskar, werden Leprakranke auch nach ihrer Heilung von der Gesellschaft ausgeschlossen, denn Lepra wird oft noch als eine Art göttliche Bestrafung für ein Vergehen angesehen. Niemand will etwas mit ihnen zu tun haben, sie leben als Außenseiter und müssen oft betteln, um überhaupt überleben zu können. Viele dieser Menschen haben daher nie eine Schule besucht oder eine Ausbildung gemacht. Sie sind Analphabeten, oft überträgt sich das Stigma auf ihre Kinder, obwohl diese nie Lepra hatten.

Wir unterstützen aus diesem Grund Fortbildungsprogramme, mit denen diese Menschen eine Ausbildung bekommen, die ihnen und ihren Familien ein eigenes Einkommen ermöglicht. In Bamako, Mali, arbeiten wir hierzu seit 2004 mit der lokalen ONG Association Malienne des Handicapés de la Lèpre (AMHL) zusammen. Mamadou Coulibaly, der Präsident, ist selbst ein ehemaliger Leprakranker und kennt die mit dem Stigma dieser Krankheit verbundenen Probleme selbst am besten. Die geheilten Leprakranken haben sich hier zu Vereinen zusammengeschlossen, und durch die AMHL haben sie die Möglichkeit einen Alphabetisierungskurs zu besuchen und danach gezielte Fortbildungen in Buchhaltung und Verwaltung zu bekommen, um etwa ein eigene Geschäft mit einem Mikrokredit zu eröffnen. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht. Wir möchten den Menschen mit unseren Projekten langfristig helfen und ihnen eine Perspektive bieten. Unsere Hilfe endet nicht mit der Heilung der Krankheit, wir dürfen die Menschen auch danach nicht im Stich lassen.

Hier finden Sie noch weitere Informationen dazu:

http://www.ffl.lu/contact/61-weltlepratag-am-26-januar-2014/

http://www.ffl.lu/contact/61-weltlepratag-am-26-januar-2014/61-weltlepratag-hilfe-fur-madagaskar/

http://www.ffl.lu/nos-projets/amelioration-de-la-sante-publique/aide-aux-lepreux-a-ambositra-madagascar/

Helfen Sie uns diesen Menschen ein besseres Leben in Würde zu ermöglichen. Ihre Unterstützung kann viel bewegen und kommt bei den Menschen an. Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende auf das Konto der Fondation Follereau Luxembourg CCPL IBAN LU15 1111 0000 7878 0000 mit dem Hinweis: 61. Weltlepratag.