Hebamme aus Mali absolviert ab Montag Praktikum in Clinique Bohler

Luxemburg, 26.04.2013 – Für einen besseren Start ins Leben: FFL lanciert neues Projekt mit Clinique Bohler in Mali. Bereits seit 2000 arbeitet die FFL mit der lokalen NGO COFESFA zusammen, die sich insbesondere für die Gesundheit und Rechte der Frauen in Mali stark macht. Gemeinsam mit der Clinique Bohler aus Luxemburg rufen die drei Partner nun ein e-learning-System ins Leben, das Schwangere und junge Mütter über die Themen der Gesundheitsvorsorge bis hin zur Geburtshilfe informieren soll. Eine Hebamme aus Bamako absolviert ab Montag ein Praktikum in der Clinique Bohler, um das Lehrmaterial an die Bedürfnisse malischer Frauen anzupassen.

Die allgemeine Gesundheitssituation in Mali war bereits vor Ausbruch des Krieges sehr besorgniserregend. Gesundheitszentren, die speziell auf die Versorgung von Mutter und Kind ausgerichtet sind, existieren bislang nur wenige. Dabei stellen die allgegenwärtigen sanitären und Hygienebedingungen vor allem für Schwangere, Stillende und Säuglinge ein großes Problem dar. Im Durchschnitt stirbt jedes vierte Kind noch vor seinem fünften Geburtstag – etwa an falscher Ernährung, verschmutztem Wasser oder Malaria. Um die gravierende Situation mit professionellem Knowhow zu verbessern, haben sich die Hilfsorganisationen FFL und COFESFA mit der luxemburgischen Entbindungsklinik Bohler zusammengeschlossen.

Die Privatklinik Bohler besitzt seit einigen Jahren ein zugeschnittenes e-learning-System, das werdende und junge Mütter in Luxemburg online über die elementaren Inhalte der Geburtsvorbereitung informiert. Dieses e-learning-Konzept stellt die Klinik nun der malischen Entwicklungshilfe COFESFA zur Verfügung – und verpflichtet sich im Rahmen eines Zweijahresvertrages dazu, COFESFA bei der Überarbeitung des Materials zu helfen, um es an die inhaltlichen und kulturell-religiösen Begebenheiten in Mali anzupassen.

Plattform der Clinique Bohler wird an die Bedürfnisse malischer Mütter angepasst (Bild: FFL)

Der Weg dorthin: Die Hebamme Koné Aminata Doumbia arbeitet in Bamako als Erzieherin für Gesundheit und Geburtenhilfe sowie als Ernährungsberaterin für Mutter und Kind. Innerhalb der beiden nächsten Jahre wird Frau Doumbia drei mehrmonatige Praktika bei der Klinik Bohler als Projektleiterin absolvieren, um das e-learning-System gemeinsam mit dem luxemburgischen Fachkräften für ihr Heimatland fit zu machen.

Aufgrund des im Vergleich zu Luxemburg völlig andersartigen sozial-kulturellen Kontextes in Mali wird Frau Doumbia die Informationen über Schwangerschaft, Geburtshilfe und Gesundheitsvorsorge bedarfsorientiert neu definieren. Da ein Großteil malischer Frauen einen recht geringen Bildungsgrad aufweist, wird sich das e-learning-System schwerpunktmäßig auf basische Informationen wie die Anatomie der Frau, Empfängnisverhütung, Gesundheitsvorsorge für Mutter und Kind, Rückbildungsmethoden, Hygienehinweise, erforderliche Arztbesuche etc. konzentrieren. Neben den Informationen wird auch das dazugehörige Videomaterial den kulturellen Begebenheiten angepasst, indem es mit malischen Schauspielerinnen in der Sprache Bambara neu gedreht wird. Aufgrund schlechter Internetverbindungen wird das e-learning-System als Offline-CD angeboten.

Neben der Konzipierung wird die zweite Aufgabe der malischen Hebamme darin bestehen, das Material im Süden des Landes, in Bamako und im Kreis Kati, möglichst weit zu streuen. So wird Frau Doumbia zahlreiche Weiterbildungssitzungen für Schwangere, junge Mütter und ihre Ehemänner in den medizinischen Niederlassungen von COFESFA anbieten. In einem weiteren Schritt soll das Material auch in anderen Etablissements angeboten sowie im lokalen Radio- und TV-Programm untergebracht werden. Mit einem Budget von 30.000 Euro realisiert die FFL das Projekt in diesem Jahr, das ebenfalls von der luxemburgischen Kooperation kofinanziert wird.

Trotz Krise in Mali: FFL bleibt starker Partner vor Ort

Seitdem Islamisten den Norden Malis für unabhängig erklärt haben, finden viele Malier nicht mehr in ihr altes Leben zurück. Die Fondation Follereau Luxembourg (FFL) hat daher seit Anfang Februar Auffangzentren rund um Ségou, Mopti und Koulikoro lanciert, um Menschen auf der Flucht Basisdienstleistungen (saubere Wasser, Lebensmittel und medizinische Notversorgung) zu ermöglichen und Kinder vor der Rekrutierung zu bewahren. Neben dem Nothilfeprojekt setzt die FFL gezielt auf die Kontinuität aller Entwicklungsprojekte in Mali, um den Rückschritt möglichst gering zu halten.