Retter in der Nacht (Ségou, Mali)

Was wie ein schlechter Krimi klingt, ist in Mali traurige Realität: Tausende Kinder sind sich völlig selbst überlassen, die einzige Schlafmöglichkeit bietet ihnen die Straße. Dabei prägen Drogen, Kriminalität und Prostitution den rauen Alltag der Straßenkinder in ihrem Kampf ums Überleben. In Ségou, die südlich gelegene Stadt gilt als Tor zur Sahelzone, finanziert die Fondation Follerau Luxembourg daher das Projekt „Enfants de la rue“: Streetworker suchen die Kinder in der Nacht auf, bringen sie in ein sicheres Zuhause, das ihnen nicht nur ein Bett und warme Mahlzeiten, sondern eine nachhaltige Perspektive bietet. Unsere Retter in der Nacht. 

Eines haben die Straßenkinder gemeinsam: Sie sind völlig allein gelassen. Ihre Erfahrungsberichte, wie sie zu diesem traurigen Schicksal kamen, sind hingegen so bunt wie das Leben. Nicht wenige wurden von Zuhause verjagt, da die Mütter verstorben sind und die neuen Frauen an der Seite der Väter die Kinder aus erster Ehe verachten. Andere befinden sich in der Obhut eines Koranlehrers, der sie muslimisch wohlerziehen soll. Genau das Gegenteil tritt ein: Der Geistige schickt die Kinder zum Betteln auf die Straße – wenn sie nicht den gewünschten Geldbetrag liefern, werden sie geschlagen oder schikaniert. Der Austritt aus dem Familienumfeld scheint für diese Kids der letzte Ausweg. Zwei mal pro Woche machen sich die Streetworker des Projektes „Enfants de la rue“ nachts auf die Suche nach eben diesen traumatisierten Kindern. Mit viel Empathie und Überzeugungskraft versuchen sie den Straßenkindern klar zu machen, dass sie für ihr eigenes Schicksal verantwortlich sind und demnach gut tun, den Erziehern ins «Centre d’écoute» zu folgen. In der Regel lassen sich etwa 50 Prozent der Kinder darauf ein. Wenn sie einwilligen, erwartet sie dort ein eigenes Bett, eine Mahlzeit, Medikamente und saubere Kleidung. Neben dem Stillen dieser primären Bedürfnisse versuchen die Erzieher vor allem, den seelischen Kummer der Kinder zu lindern – daher trägt das Zentrum auch den Namen Anhörstelle.

Grausames Schicksal: Hunderte Kinder werden in Ségou von ihren Eltern verjagt

Immer wieder gehen die Streetworker in Gesprächen gezielt auf die Erfahrungen ein, die die Kinder auf der Straße machen mussten. Im Centre d’écoute organisieren die Erzieher regelmäßig Spiele, sportliche Aktivitäten und kleine Ausflüge – so wollen sie Schritt für Schritt das Vertrauen der Straßenkinder gewinnen. Denn eine gelungene Wiedereingliederung in ein normales, neues Leben kann nur dann gelingen, wenn auch die Kinder verstehen, welche langwierigen Probleme auf sie warten, wenn sie sich noch einmal für die Straße entscheiden. Die schwierigste Aufgabe der Streetworker besteht zweifelsohne darin, die wahre Identität der Kinder herauszufinden: Viele Straßenkinder verheimlichen ihren wahren Namen – aus Angst wieder zu ihrer Familie oder dem Koranlehrer heimkehren zu müssen. Dabei findet sich recht oft ein Familienmitglied (Tante, Cousin…), das sich bereit erklärt, das Kind bei sich aufzunehmen. Verbindlichkeit und Verantwortungsgefühl werden in einer afrikanischen Großfamilie in der Regel größer geschrieben als in Europa. Scheitert der Versuch der Wiedereingliederung in die Großfamilie, so werden die Kinder mit ihrer Einwilligung in das zweite Zentrum, in das so genannte «Maison de l’espoir» gebracht. Die kleine, familiäre Struktur des Zentrums soll nicht nur als Ersatzfamilie fungieren, hier hilft man den Kindern auch bei ihrer schulischen und beruflichen Orientierung. Die Erzieher sorgen dafür, dass die Kinder ein Ausbildungszentrum besuchen oder einen praktischen Beruf bei einem Arbeitgeber in der Umgebung erlernen.

Für viele Kids sind die beiden Zentren die letzten Zufluchtsorte

Ein neues Zuhause – jetzt!

Die Fondation Follereau Luxembourg unterstützt die beiden Einrichtungen Centre d’écoute und Maison de l’espoir seit 2007 finanziell verstärkt, damit noch mehr Kinder den Rückzug aus dem Straßenleben schaffen. Für 2013 hat sich die Hilfsorganisation daher weitere Ziele gesetzt:

  • Gründliche Renovierung der beiden Zentren
  • Aufwertung der Infrastruktur in den Zentren
  • Nächtliche Suchaktionen deutlich steigern
  • Sensibilisierungsarbeit, Freizeit- und Ausbildungsangebot erweitern

Helfen Sie uns dabei, den Straßenkindern eine neue Perspektive zu ermöglichen. Wenn auch Sie Straßenkindern eine neue Perspektive ermöglichen möchten, dann helfen Sie uns mit einer Spende mit dem Hinweis auf STRASSENKINDER SEGOU auf unser Konto: BCEE IBAN LU 38 0019 1100 2081 3000. Mit 10 Euro können Sie bereits einen einmonatigen Aufenthalt für ein Straßenkind im Centre d’écoute finanzieren, mit 83 Euro die einmonatigen Aufenthaltskosten eines Kindes im Maison de l’espoir.

 «Hab keine Angst, wir sind nicht von der Polizei…»

Moussa Wane, Erzieher mit Herz im „Maison de l’espoir“

Moussa Wane ist kein Anfänger, bereits seit zwölf Jahren arbeitet er als Erzieher im „Maison de l’espoir“. Wie er zu dieser Entscheidung kam? Zum ersten Mal ist er in Bamako, Malis Hauptstadt, auf die ergreifende Situation der Straßenkinder aufmerksam geworden. „Ich sah diese Kinder in ihrem zarten Alter, lediglich mit einem Stück Karton bedeckt auf dem Boden liegen… ich spürte Mitleid und Wut zugleich“, erinnert er sich noch heute. Diese emotionale Begegnung brachte ihn dazu, sich als Streetworker für Straßenkinder im „Maison de l’espoir“ engagieren zu wollen. Mit seinen Kollegen fährt er seither nachts die bekannten Plätze (rund um den Busbahnhof, entlang der Moscheen,…) mit einem Ziel ab: Kinder retten! „Wenn wir ein Kind schlafend auf der Straße auffinden, wecken wir es behutsam und versuchen es zu beruhigen, indem wir ihm erklären, dass wir nicht von der Polizei sind und ihm nur Gutes wollen“. Moussa und seine Teamkollegen versuchen die Kids davon zu überzeugen, dass ihnen Drogen, Gewalt und Prostitution widerfahren, wenn sie ihr Leben auf der Straße nicht beenden. Sein Einsatz als Streetworker verlangt ihm viel Sensibilisierungsarbeit ab – die ihm allerdings viel Freude bereitet. „Der Fondation Follereau möchte ich für die Unterstützung danken, meine Arbeit im „Maison de l’espoir ist mein größtes Glück“, so Mossa Wane.

[mappress mapid= »26″]